Nur nicht unsichtbar werden : ein irisches Leben

O'Faolain, Nuala, 2000
Libresso
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Medienart Buch
ISBN 978-3-87134-377-3
Verfasser O'Faolain, Nuala Wikipedia
Systematik DR - Deutsch Roman
Schlagworte Irland, Lebensbericht
Verlag Rowohlt Berlin
Ort Berlin
Jahr 2000
Umfang 252 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Nuala O'Faolain
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Christina Gastager-Repolust;
Eine Frau lässt ihre dürftigen Schutzhüllen fallen und hält schonungslos Rückschau. (BI)

*f2*
Die Autorin lässt ihre Leser/innen niemals im Unklaren: sie benennt die Dinge des Lebens. Und sie hält fest, dass sie Wert auf Qualität legt, besonders was ihre Lektüre betrifft. Da teilt sie gnadenlos in Töpfchen- bzw. Kröpfchenliteratur. Die hohen Ansprüche, die sie an ihre Lektüre stellt, stellt sie an ihr eigenes Werk nicht. Ihre Leser/innen gewinnt sie wohl eher mit der Unvermitteltheit ihrer Schilderungen, mit ihrem gnadenlosen Blick auf ihre Eltern und auf ihr Daheim in Irland. Eine schüchterne Mutter, die gerne geliebt worden wäre; ein intellektueller Vater, der ein bekannter irischer Journalist, wurde und viel Dreck auf dem Küchentisch - Szenen, die berühren. Nicht etwa durch ihre sprachliche Wiedergabe, sondern vielmehr durch die in ihnen offenbarten Seelennöte. Jetzt ist das kleine Mädchen von damals um die fünfzig, selbst in der Medienwelt tätig; die Erzählerin sitzt allein im Sessel und trinkt, meistens ein bisschen zu viel. Getrunken hat die Mutter auch, viel zu viel - der Gin in der Kneipe half gegen das erste Zittern und die Einsamkeit in der Nacht. Nuala, die Erzählerin, die Hauptperson, rebelliert gegen die für sie vorgesehene Rolle, sie will weder Hausfrau noch Ehefrau werden, sie will tanzen und warm einen Körper an sich spüren. - Die Realität ist packend geschildert; Erinnerungen bis ins kleinste Detail bestechen in ihrer Klarheit - die Erzählerin gibt ihr Leben und ihre Wünsche preis. Damit sie sichtbar bleibt? - Allen Bibliotheken zu empfehlen.

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Quelle: SCHRIFT/zeichen;
"In einem konservativen katholischen Land, wo Sexualität gefürchtet und selbst das Wissen über den eigenen Körper verboten war, musste ich darauf gefasst sein, dass man es als Mädchen und Frau nicht leicht haben würde im Leben", schreibt die heute fünfzigjährige, bekannte irische Journalistin und Autorin zu Beginn dieses autobiographischen Romans. Schon sehr früh hatte sie begonnen, auszubrechen, die Normen, vor allem die der Moral in Frage zu stellen. In ihrem Lebensbericht geht Faolain schonungslos mit sich und mit ihrer Familie um. Ihr eitler, verantwortungsloser Vater, ihre in der unglücklichen Ehe verhaftete, alkoholkranke Mutter, die neun Kinder bekam, ihr eigener Alkoholismus, ihre Exzesse, ihre Bindungsunfähigkeit - alles kommt zur Sprache. Aber es ist weder Selbstmitleid noch therapeutisches Von-der-Seele-Schreiben. Es ist ein Aufzeigen, was Umwelt und Erziehung ausmachen und wo die eigene Verantwortung für sein Leben einsetzt, wo man sich auf nichts mehr ausreden kann. "Wie kann man sich selbst überreden, sein Schicksal zu akzeptieren?", ist die Frage, die Faolain nach gescheiterten Beziehungen und angesichts ihres Nicht-Mehr-Ganz-Jung-Seins stellt - sich und ihren LeserInnen. Waltraut Kovacic