Rendezvous und andere Alterserscheinungen : Roman

Jacobson, Howard, 2021
Libresso
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Medienart Buch
ISBN 978-3-608-96457-8
Verfasser Jacobson, Howard Wikipedia
Beteiligte Personen Maass, Johann Christoph Wikipedia
Systematik DR - Deutsch Roman
Verlag Klett-Cotta
Ort Stuttgart
Jahr 2021
Umfang 393 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Howard Jacobson. Aus dem Engl. von Johann Christoph Maass
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Doris Göldner;
Späte Liebesgeschichte zwischen zwei betagten und sehr unterschiedlichen Charakteren, die im Norden Londons spielt. (DR)
Die Protagonisten des Romans, Beryl Dusinbery und Shimi Carmelli, beide älter als 90 Jahre, treffen einander (in der zweiten Hälfte des Buches) am Tor des Friedhofs nach dem Begräbnis von Shimis Bruder.
Bis dahin hat man Beryl als energische Seniorin mit lückenhaftem Gedächtnis kennengelernt, die ihre Tage mit Stickereien, Tagebuchschreiben und dem Sekkieren ihrer zwei Angestellten verbringt. Shimi hingegen wird als Junggeselle von den Witwen Nordlondons umgarnt, während er versucht, den Dämonen seiner Vergangenheit (vor allem bösen Kindheitserinnerungen) zu entfliehen.
Diese zwei Figuren geben dem Autor reichlich Gelegenheit, ihnen zahlreiche Bosheiten, politische Unkorrektheiten und manchmal sogar Gemeinheiten in den Mund zu legen, alles unter dem Deckmantel des hohen, nicht zu kritisierenden Alters.
Bei Beryl beginnt dies bei rassistischen Bemerkungen über die Angestellte aus Uganda, geht über den respektlosen Umgang mit der ukrainischen Nachtschwester und endet bei derben Schilderungen ihrer Ehemänner und Affären. Sie lässt an nichts und niemandem ein gutes Haar und rühmt sich sogar ihrer fehlenden Mutterliebe.
Shimi hingegen ist halbjüdischer Herkunft und auch wenn das keine große Rolle spielt, wird diese Tatsache doch immer wieder betont. Er hat jedenfalls sein Lebensglück verpasst, nachdem er als Halbwüchsiger in der Unterwäsche seiner Mutter erwischt wurde und seit jenem Tag unter furchtbaren Schuldgefühlen leidet.
Schlussendlich gehen diese beiden unterschiedlichen Charaktere eine Lebensgemeinschaft ein, was wohl als versöhnliches Ende verstanden werden könnte. So misanthropisch sind die beiden schlussendlich also doch nicht!
Im "Guardian" sind mehrere sehr zustimmende Rezensionen über den Roman erschienen. Er scheint in der Originalfassung mehr Wortwitz zu haben, ebenso wird die authentische Schilderung des Handlungsortes, die "Finchley Road" hervorgehoben. Diese Nuancen blieben der Rezensentin aber verschlossen. Allein der schwarze Humor hat eine Übertragung ins Deutsche erfahren. Das Herziehen über Politik, Liebe und Genderfragen war nicht leichtherzig genug, um attraktiver Lesestoff zu sein.
Andere LeserInnen könnten (und werden) dieses Buch allerdings sicher ganz anders rezipieren!