Am Seil : eine Heldengeschichte

Hackl, Erich, 2018
Libresso
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Medienart Buch
ISBN 978-3-257-07032-3
Verfasser Hackl, Erich Wikipedia
Systematik DR - Deutsch Roman
Verlag Diogenes
Ort Zürich
Jahr 2018
Umfang 116 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Erich Hackl
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Heinrich Klingenberg;
Eine Heldengeschichte ohne Helden - angesiedelt im Wien der NS-Zeit. (DR)
Kann man den Kunsthandwerker und Bergsteiger Reinhold Duschka verstehen, der auch nach dem Krieg niemals darüber spricht, dass er in wirklich selbstloser Weise den zwei jüdischen Frauen Regina Steinig und ihrer Tochter Lucia in Zeiten des Naziterrors vier Jahre lang das Überleben in seinen eigenen vier Wänden in Wien ermöglicht hatte? Ist der Held also in dieser Erzählung überhaupt zu entdecken? Zu Beginn des Buches lässt Hackl Lucia selbst zu Wort kommen: "Reinhold ist der Held meiner Geschichte, nur seinetwegen erzähle ich sie."
Der aus Berlin stammende Reinhold Duschka hatte in der NS-Zeit seine Werkstatt mitten in Wien und trotz aller Widerwärtigkeiten (z. B. bei der Lebensmittelrationierung) gelingt es ihm, teilweise durch gesteigerte Produktion trotz Materialknappheit, irgendwie die beiden Frauen zu verstecken und zu versorgen.
Hackl geht es nicht um historische Faktizität, sondern darum, dass er ein Gedankengebäude errichtet, das die zwei Frauen ihre eigene Rettungsgeschichte mitentwerfen lässt. Er überlässt es den Leser_innen, mitzufühlen und mitzudenken, wie die Protagonisten die damalige Zeit erlebt haben und welche Szenarien zum Überleben führen konnten.
Immer wieder gibt es brisante Szenen, als z. B. Lucia um jeden Preis hinaus ins Freie zu den Weinbergen will - trotz der damit verbundenen Lebensgefahr, durch das nationalsozialistische Wien gehen zu müssen und jederzeit kontrolliert zu werden. Aber Duschka organisiert auch dieses Unternehmen, so als ob es für ihn eine selbstverständliche Verpflichtung wäre.
Hackl zeichnet das Bild einer Seilschaft - daher auch der Titel - die unterwegs ist, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Sich aufeinander verlassen können und dem Anführer voll zu vertrauen macht die Metapher dieses Buches aus. Duschka - selbst begeisterter Bergsteiger - wird hier zu einer Figur, die Retter und Gerettete auf eine Ebene stellt. Zugleich ist es auch ein Blick auf die verloren gegangene Sozialutopie des "Roten Wien".
Spannend erzählt und in sehr anschaulicher Sprache verfasst, berührt das Werk auf ganz besondere Art und Weise. Breite Empfehlung!