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DR
Fri
Vergiss Ägypten : ein Reiseroman
Frischmuth, Barbara, 2008| Libresso | |
| Verfügbar |
Ja (1)
|
| Exemplare gesamt | 1 |
| Exemplare verliehen | 0 |
| Reservierungen | 0Reservieren |
| Medienart | Buch |
| ISBN | 978-3-351-03227-2 |
| Verfasser | Frischmuth, Barbara
|
| Systematik | DR - Deutsch Roman |
| Verlag | Aufbau-Verl. |
| Ort | Berlin |
| Jahr | 2008 |
| Umfang | 220 S. |
| Altersbeschränkung | keine |
| Sprache | deutsch |
| Verfasserangabe | Barbara Frischmuth |
| Annotation | Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Christina Repolust; Vergessen, um besser zu begreifen. (DR) Der Untertitel des neuen Frischmuth-Romans "Ein Reiseroman" macht noch neugieriger als es der Imperativ-Titel tut. Die Autorin weiß als Orientalistin, was in Ägypten auf ihre Heldin, die Reisende Valerie, wartet. Ehrlicherweise steht das Konzept des Romans bereits im ersten Kapitel: "Vergiss Ägypten - denk lieber an die Ägypter." Sätze wie "An Orten des Übergangs ist die Seele ungeschützt, alles Mögliche kann ihr passieren." stoppen immer wieder das unbeschwerte Schlendern. Umstiegshilfen beim Transit werden hier nicht bei den Lebenswenden wie Geburt und Tod gesucht, sondern beim Reden und Schreiben, beim Wörterfinden und Sätzebauen. "Es geht ums Begreifen", lässt die 1941 in Altaussee geborene Autorin Valeries Freundin erklären. Valeries Gedankenexperimente kreisen angesichts der aktuellen Lebensentwürfe - Islam, Frauen, Freiheit - auch darum, wie sie selbst mit ihrem einstigen Geliebten Abbas heute wohl leben würde. Wie Valerie mit ihrem Fotoapparat auf Nischen fokussiert und hofft, sich damit "etwas mitzunehmen", nimmt die mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin ihre LeserInnen mit, Ägypten bzw. Kairo im Spiegel seiner BewohnerInnen und BesucherInnen sehr differenziert kennen zu lernen. "Es gibt nichts Schöneres, als sich in einem Wiener Café nach Ägypten zu sehnen", lässt Frischmuth eine ihrer Figuren am Ende des Romans sehnsüchtig aussprechen. Dieser Roman wirkt wie eine echte Melange: Sehnsüchte sind geweckt, in Bezug auf Ägypten, auf verspielte Möglichkeiten, auf verlorene Geliebte. ---- Quelle: Literatur und Kritik; Autor: Ulrike Tanzer; Übergänge Barbara Frischmuths Reiseroman "Vergiss Ägypten" Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind, so Barbara Frischmuth in ihrer Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele im Juli 1999, "die geeignetsten Verbündeten" beim Versuch einer Annäherung an das Fremde, nicht Vertraute. Denn "was die Literatur im besten Sinne stiftet, ist Hinwendung", eine "geduldige Hinwendung, die das andere als die Kehrseite der eigenen Medaille erkennen lernt." Barbara Frischmuth, die Türkisch, Ungarisch und Orientalistik studiert hat, ist seit vielen Jahren eine solche "Verbündete", eine Grenzgängerin und Vermittlerin zwischen Orient und Okzident. Ihre Bücher spiegeln die intensive Auseinandersetzung mit orientalischen Traditionen, vor allem am Beispiel der Türkei, eindrucksvoll wider. In Frischmuths neuem, kunstvoll angelegten Reiseroman ist der Schauplatz Ägypten, und damit ein Land voller Gegensätze mit großer kultureller und religiöser Vielfalt, traditionsgesättigt und modern, wüstenleer und pulsierend, elitär und bitterarm. Valerie Kutzer, die Protagonistin des Romans, bricht zum fünften Mal nach Ägypten auf, um Vorträge über Literatur zu halten und um Freunde zu besuchen. Der Transit am Flughafen wird zum Übergang in eine fremde, exotische Welt, die Reise nicht nur zur kulturellen Entdeckungsfahrt, sondern zur Spurensuche in die eigene Vergangenheit. "Vergiss Ägypten", hält Valeries Freundin Lamis gleich zu Beginn fest. "Ägypten ist ein uraltes Haus, von dem niemand genau weiß, was sich hinter den Türen befindet. Die Kellertreppe ist eingestürzt, und die Leiter zum Dach hat kaum noch Sprossen. Die einzelnen Räume sind nur mehr gefühlsmäßig zu erschließen. Lass es also, denk lieber an die Ägypter." Lamis ist die kundige Reisebegleiterin auf den Ausflügen und Streifzügen durch Kairo, Luxor und Alexandria. Sie führt Valerie durch die verkehrsumtoste Metropole, zeigt ihr Grabstätten, Wüstenklöster und Moscheen, Restaurants und versteckte Gärten. Vor allem aber knüpft sie Kontakte mit Menschen, denn Valerie ist der Überzeugung, "dieses Land" nur über Menschen "begreifen" zu können. Es sind verschiedene Lebensentwürfe von Frauen, die sie hier kennenlernt, vor allem europäischer Frauen, für die Ägypten zu ihrem "Lebensland" geworden ist: Madame Lubica, die alt und gebrechlich gewordene Tänzerin, die zurückgezogen mit ihrer Katze in einer abgewohnten Wohnung lebt, die Wiener Kunsthistorikerin Leonie, die im Schatten der Pyramiden von Gizeh ein winziges Häuschen bewohnt und das Gefühl hat, hier "frei leben und atmen zu können", oder Marie Nur, Witwe eines ägyptischen Offiziers, die sich gegen starre Traditionen auflehnt und selbstbestimmt ihre Rolle gefunden hat. Sie alle sind in den sechziger Jahren nach Ägypten gekommen, in ein von Nasser regiertes liberales Land, in dem selbst Ägypterinnen "Miniröcke trugen und sich die Haare toupierten". Dass diese Freizügigkeit Geschichte ist, dass die Rollenzuschreibungen rigider geworden sind, auch dies kann Valerie studieren - an der Situation österreichischer Lektorinnen, die mit ägyptischen Männern liiert sind, an verschleierten einheimischen Doktorandinnen, an Konvertitinnen, die im Islam und in der muslimischen Lebensweise einen radikalen Gegenentwurf zur westlichen Überflussgesellschaft sehen. Subtil zeichnet Barbara Frischmuth anhand dieser Biographien die innenpolitische Entwicklung der letzten vierzig Jahre nach, ohne dabei die ägyptischen Miseren wie Beschneidung, Arbeitslosigkeit und Korruption außer acht zu lassen. Sie stellt dabei aber auch die zentrale Frage, wie nahe man dem Anderen kommen kann, ohne sich aus dem Eigenen zu verlieren. Valerie findet sich in diesen Begegnungen wieder, und sie wird mit der Frage konfrontiert, wie ihr Leben ausgesehen hätte, wäre sie damals ihrem einstigen Geliebten Abbas gefolgt. Ihn sucht sie beharrlich und unverdrossen und meint ihn in vielen Ägyptern wiederzuerkennen. "Ab einem gewissen Alter sind die Lieben alle geliebt", heißt es da, "man lässt sich auf Vergangenheit ein und stochert wie die Lumpensammler auf den Müllbergen von Kairo in den nicht aufgegangenen Geschichten ohne Mitte herum." Diese Suche auf den Spuren der eigenen Vergangenheit ist mit weiteren Erzählebenen verwoben, mit Reflexionen über religiöse und mystische Traditionen, mit Fundstücken der Vergangenheit, in denen Jahrtausende aufblitzen. Thot mit dem Ibiskopf, der Gott der Schreiber, Diebe und Heiler, wird hier zum Vermittler. "Das Geheimnis ist nicht im Raum, es ist in der Zeit beschlossen." Mit differenziertem Blick und großer Detailkenntnis lässt sich Barbara Frischmuth in ihrem Buch auf Ägypten ein und zeichnet, ohne den Islam auf Feindbilder, Klischeevorstellungen und Stereotypen zu reduzieren, eine Vielzahl orientalischer Lebensentwürfe nach - subtil, klug und respektvoll, wie wir es von dieser Autorin seit langem gewöhnt sind. |