Willy Puchners Welt der Farben

Puchner, Willy, 2011
Libresso
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Medienart Buch
ISBN 978-3-7017-2081-1
Verfasser Puchner, Willy Wikipedia
Systematik KS - Kinder Sachbücher
Schlagworte Farbe, Farbenlehre
Verlag Nilpferd in Residenz
Ort St. Pölten
Jahr 2011
Umfang [17] Bl.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Willy Puchner
Illustrationsang überw. Ill. (farb.)
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Reinhard Ehgartner;
Faszinierender Einstieg in die Welt der Farben

An die 1500 Seiten umfasst Goethes Schrift Zur Farbenlehre'. Den Auslöser für dieses lebenslange Interesse am Wesen der Farben bildeten die ihn überwältigenden Farbwahrnehmungen auf seiner Italienreise 1786-88. Auch in Willy Puchners Welt der Farben' sind es die von Fernweh geleiteten Schritte unter fremden Himmeln, die sein Farberleben geradezu bedrängen und ihn mit Empfindungen umfangen, die nach Ausdruck suchen.
In seinen Büchern verdichtet Puchner das sinnliche Erleben seiner Reisen zu Bild- und Textcollagen, in denen bewusste Konstruktionen und Freiräume des Unbewussten einander die Bälle zuwerfen. Bereits im Materialbuch, das sich im Anhang zur Sehnsucht der Pinguine' (1992) findet, stößt man auf dieses akribische Spiel mit der Komposition von Farbreihen, das sich im Illustrierten Fernweh' (2006) fortsetzt, um in seiner Welt der Farben' nun in den bestimmenden Mittelpunkt zu rücken.
Seit Newton wissen wir, dass im reinen Sonnenlicht alle Farben gebündelt sind, um im Prisma oder im Regenbogen in ihrem ganzen Spektrum hervorzubrechen. Solche Spektren an Farben und Farbtönen komponiert Puchner hier speziell für verschiedene Länder, Städte und Orte. Auf jeweils einer Doppelseite finden wir zum Beispiel die Farben des Himmels, die Farben von Eis und Schnee, die Farben Indiens oder die Farben Japans, um am Ende über Frankfurt und Wien flugtechnisch wieder nach Hause zu gelangen.
Im Unterschied zu den Farbtafeln der Maler sind Farben bei Willy Puchner keine gedeckten Flächen, sondern fließende Räume. So wie man Stimmungen nicht festhalten kann, ist auch hier jede Farbe eine Welt voller Nuancen und Verläufen. Diese Farben atmen und leben und tragen auch besondere Name, die den jeweiligen Ort kennzeichnen: Im Falle von Venedig z.B. reichen sie von Albinoni-Grün über Marco-Polo-Blau bis hin zu Veronese-Rot. Mit Hunderten solcher Farbbezeichnungen zündet Puchner ein Sprachfeuerwerk, das jeden Moderator einer Modenschau vor Neid erblassen lässt.
'Zum Reisen geboren, zum Zeichnen bestellt, zeigt Willy Puchner in seiner 'Welt der Farben, dass die inneren und äußeren Welten unendlich groß und von vielfältigen Sehnsuchtsräumen durchzogen sind. - Ein bedrängend schönes Buch, das behutsam und in Ruhe erschlossen werden will.

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Quelle: STUBE (http://www.stube.at/);
Deneuve-Blau als Farbe von Paris, Popocatépetl- Orange als Farbe des Vulkans oder Isis-Gold als Farbe von Ägypten: Die Wahrnehmung einer Farbe löst Assoziationen aus, die hier an verschiedene Orte gebunden werden - einerseits konkret benannte, andererseits solche, die universaleren Charakter haben. In Anlehnung an Goethes Farbenlehre reiht Willy Puchner Farbnuancen, die er an diesen Orten gesammelt hat, aneinander, gibt ihnen einen Namen und ergänzt sie um andere immaterielle Mitbringsel wie handschriftliche Anekdoten. Sukzessive füllt er so einen Setzkasten der Ideen und schafft eine abstrakte Auflistung der Welt.
*STUBE*

"Gewidmet allen Flaneuren, Spaziergängern und Reisenden." Obwohl Willy Puchners neues Bilderalbum schon vor dem Schmutztitel das Moment der Bewegung ins Spiel bringt, ist es doch "in einer starken Phase der Sesshaftigkeit entstanden" so der Illustrator, Autor und Fotograf in einem Interview (Anzeiger 9/2011. S. 11-12). Dieses statische Flanieren mag wohl mit der Schwerpunktsetzung dieser Sammlung zusammenhängen: Nach der Natur und den Tieren widmet sich der Künstler hier den Farben und ihrem Potential zur Imagination und damit zur Gedankenreise: Die Wahrnehmung einer Farbe löst verschiedenste Erinnerungen, Assoziationen und Stimmungen aus, die wiederrum an verschiedene Orte gebunden sind einerseits konkret benannte wie New York oder Indien, andererseits solche, die universaleren Charakter haben wie Wüsten oder Eis. In Anlehnung an Goethes Farbenlehre reiht Willy Puchner Farben, Schattierungen und Kolorierungen, die er an diesen Orten gesammelt hat, aneinander und ergänzt sie um handschriftliche Passagen, kleine Figuren oder aquarellierte Hintergründe. Für jede dieserart verortete Seite bzw. Tafel entwirft er ein ganz eigenes Farbspektrum: Gletscherblau, Himmelblau, Blauwalblau und Eisblau sind etwa Farben der Antarktis. "Ich habe immer gerne Farben gehabt, die in einem Farbkreis oder auf Farbkarten abgebildet sind. Das gibt mir, sozusagen im buchhalterischen Sinn, das Gefühl, eine abstrakte Auflistung der Welt zu sehen." Dieser im Buch sichtbare Prozess scheint fast wie umgekehrte Malerei: Willy Puchner malt kein Bild mit einer Farbpalette, sondern eine Farbpalette aus einem Bild; er dekonstruiert das gedankliche gemäß dem Titel persönliche Bild eines Ortes in seine einzelnen Kolorierungen. Diese immateriellen Mitbringsel sammelt und verknüpft er nicht nur mit sprachlichen Elementen wie Anekdoten oder Zitaten, sondern lädt auch sie selbst sprachlich auf, indem er alle Farben und das bezeichnet der Künstler als schwierigsten Teil benennt: "Ich in meinem Fall versuche, Farben zu erfinden. Ich erfinde aber natürlich nicht konkrete Farben, sondern nur die Namen." Und diese werden ideenreich von Dingen, Zuständen, Personen, Tieren oder Pflanzen entlehnt: Deneuve-Blau als Farbe von Paris, Popocatépetl-Orange als Farbe des Vulkans, Lebkuchen-Braun als Farbe von Christmas-Island, Isis-Gold als Farbe von Ägypten oder Pfifferlinggelb als Farbe des Waldes. In der Kombination des ordnenden, systematischen Zugangs mit einer solch ungezwungenen, behutsamen und sukzessiven Füllung seiner Seiten erschafft Willy Puchner einen kunstvollen Setzkasten aus Farben und Ideen. Ein tiefgründiges Bilderbuch, das seiner persönlichen Wahrnehmungswelt entstammt und einlädt, diese zu erforschen.
Kröte des Monats
*STUBE* Christina Ulm