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DR
Had
Engel des Vergessens : Roman
Haderlap, Maja, 2011| Libresso | |
| Verfügbar |
Ja (1)
|
| Exemplare gesamt | 1 |
| Exemplare verliehen | 0 |
| Reservierungen | 0Reservieren |
| Medienart | Buch |
| ISBN | 978-3-8353-0953-1 |
| Verfasser | Haderlap, Maja
|
| Systematik | DR - Deutsch Roman |
| Verlag | Wallstein Verl. |
| Ort | Göttingen |
| Jahr | 2011 |
| Umfang | 287 S. |
| Altersbeschränkung | keine |
| Sprache | deutsch |
| Verfasserangabe | Maja Haderlap |
| Annotation | Quelle: Apropos. Straßenzeitung für Salzburg (http://www.apropos.or.at/); Autor: Ulrike Matzer; Gegen das allgemeine Vergessen Sinnliche Eindrücke von archaischer Intensität stehen am Beginn: "modrig, apfelsauer, erdäpfelsüß" - Dünste und Gerüche, wie ein Kind sie in der Rauchküche der Großmutter wahrnimmt. Nach und nach entspinnt sich die Historie der Familie, auf der die Vergangenheit wie ein Alptraum drückt. Eine Geschichte, die sich isoliert abspielt, im "Niemandsland zwischen der behaupteten und der tatsächlichen Geschichte Österreichs". Als Unerwünschtes, Geringgeschätztes im eigenen Land wurden (und werden) die Kärntner Slowenen verachtet, obgleich deren Partisanen im Zweiten Weltkrieg als Einzige militärisch organisierten Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten. In klarer, bildkräftiger Sprache führt die Autorin uns in diese (ihre) dörfliche Welt, in der die alten Wunden schwären: der verhärmte, sich unwert fühlende Vater, die Mutter, die mit dessen Nervenkrisen lebt, die Großmutter mit ihren Erlebnissen im KZ Ravensbrück - eine so ernste wie ergreifende Passionsgeschichte. ---- Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Wolfgang Moser; Auch nach dem Zweiten Weltkrieg ist das Leben in Südkärnten von Gewalt und Tod gezeichnet. (DR) Jedes Jahr wird in Klagenfurt zeitgenössische Literatur präsentiert und mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Doch was ist zeitgenössisch? Ist es sprachlich avantgardistisch oder inhaltlich avanciert? Oder ist gerade heuer der Blick auf ein Leben am Rande der deutschen Sprache auszeichnungswürdig? 2011 wurde Maja Haderlap mit einem autobiographischen Roman über ihr Erwachsen- und Bewusstwerden in der Nähe von Eisenkappel/elezna Kapla mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Zunächst zeigt sich das Leben in der Kärntner Bergbauernfamilie idyllisch. Die kleine Ich-Erzählerin hilft der Großmutter im Haushalt, riecht Schmalz und Marmelade in der Speisekammer. Doch Bilder der Vergangenheit sprengen die Harmonie. Schon bald hört sie Erzählungen von Not und Hunger, schließlich auch vom Zweiten Weltkrieg, vom KZ Ravensbrück und von Hinrichtungen. Die grausame Vergangenheit durchdringt das kindliche Erleben; der Tod ist präsent in Gestalt von Verwandten und Nachbarn, die im nahen Wald verraten und ermordet wurden. Die Generationen gehen mit dem Erlebten unterschiedlich um. Die Großmutter schildert frei, was ihr im Konzentrationslager widerfuhr, der Vater als Kind Kurier der Partisanen wurde von der deutschen Polizei gefoltert und flüchtet in Alkohol und Suizidversuche. Die Mutter frömmelt und schweigt. So geht die Elterngeneration für das Kind fast verloren. Später, als Gymnasiastin in Klagenfurt zur Zeit des Ortstafelsturms im Herbst 1972 und dann als Studentin in Wien, beginnt die 'Mic genannte junge Slowenin zunehmend zu reflektieren, die Bürde auf ihr selbst, auf der brüchigen Bauernfamilie und auf dem Kärntner Grenzland. Im Krieg wurden die katholischen Kärntner Slowenen von kommunistischen Partisanen vereinnahmt und später von der deutschsprachigen Mehrheit als Landesverräter angeprangert. Die Geschichte eines solchen Lebens zerfällt auch im Text in Bruchstücke. Maja Haderlap, die bereits einige slowenische Gedichtbände veröffentlichte, gibt das Unsag- und oft auch Unvorstellbare, mit dem das Mädchen zu Hause konfrontiert war, poetisch wieder, verwandelt Erinnerungen an Tod und Gewalt in lyrische Textpassagen. Die auseinanderfließenden Lebenslinien während der Internatszeit in der Landeshauptstadt und beim Studium der Theaterwissenschaften in Wien dramatisieren den Text und nutzen die Vielschichtigkeit des Dialogischen. Schließlich mündet das Buch in essayistische Abschnitte über den Krieg im Frieden, den Tod im Leben und die Minderheit in der Mehrheit. Den Gesamttext umklammert der durchgehende Gebrauch des Präsens: Vergangenes ist nicht vergangen, bevor nicht der 'Engel des Vergessens die Spuren der Vergangenheit aus dem Gedächtnis tilgt. Maja Haderlap hat den Bachmann-Preis vor allem mit ergreifendem, bild- und ausdrucksreichem Erzählen in ihrer Zweitsprache gewonnen. ---- Quelle: LHW.Lesen.Hören.Wissen (http://www.provinz.bz.it/kulturabteilung/bibliotheken/320.asp); Autor: Markus Fritz; Die Autorin erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Großmutter und zugleich die Geschichte der slowenischen Minderheit in Kärnten. Der Roman beginnt als Kindheitsgeschichte in der Nachkriegszeit: die Gerüche der Kindheit und vor allem die Großmutter, die dem kleinen Mädchen das Tanzen und das Kartenspiel beibringt, werden beschworen. Doch auch der Krieg ist omnipräsent. Der Großvater war bei den Partisanen, die Großmutter war im KZ und der Vater war der jüngste Partisan. Der Vater leidet immer noch unter den Nachwirkungen des Krieges: er hat dauernde Kopfschmerzen, bekommt Angstzustände und trinkt. In den Waldgehen, bedeutet nicht nur, Holz oder Pilze zu sammeln, sondern bedeutet auch, sich zur den Deutschen zu verstecken und sich den Partisanen anzuschließen. Vater und Mutter erzählen wenig und zögerlich vom Krieg. Die Großmutter kämpft gegen das Vergessen und sie erzählt vom Lager Ravensbrück. Das Mädchen wächst heran, besucht das Gymnasium in Klagenfurt und studiert anschließend in Wien Theaterwissenschaften. Die Großmutter stirbt und die Enkelin besucht das KZ Ravensbrück, wo ihre Großmutter inhaftiert war. Der Zustand des Vaters verschlechtert sich zusehends und am Ende seines Lebens bekommt er vom Staat Österreich als Opfer des Nationalsozialismus eine kleine Rente. Dem Leser werden die Hauptfiguren (das Mädchen, der Vater und die Großmutter) noch lange in Erinnerung bleiben. Die Autorin schafft für die Familie und die Opfer ein beeindruckendes Denkmal und entreißt sie dadurch dem Vergessen. ---- Quelle: Literatur und Kritik; Autor: Isabella Pohl; Im Wald der Wörter Maja Haderlaps Roman "Engel des Vergessens" In Maja Haderlaps mit dem Klagenfurter Bachmann-Preis ausgezeichnetem Romandebüt "Engel des Vergessens" taucht ein Mädchen mit Schrecken in die tragische Geschichte ihrer Familie ein wie in einen tiefen See, der seine Schwimmer nicht mehr zurück ans Ufer entlassen möchte. In einem See schließt die kindliche Ich-Erzählerin denn auch erste Bekanntschaft mit einem Todesengel, der ihr die Spielkameradin entreißt und fortan öfters zu Besuch kommen wird. Erst am Ende des Romans wird auch Walter Benjamins Engel der Geschichte einen kurzen Besuch abstatten. Der titelgebende Engel des Vergessens aber, dem man nachsagt, dass er den Kindern, wenn sie geboren werden, das Wissen abnimmt, hat seine Aufgabe nicht erfüllt. Er "dürfte vergessen haben, die Spuren der Vergangenheit aus meinem Gedächtnis zu tilgen. Er hat mich durch ein Meer geführt, in dem Überreste und Bruchstücke schwammen. Er hat meine Sätze auf dahintreibende Trümmer und Scherben prallen lassen, damit sie sich verletzen, damit sie sich schärfen", schreibt die Erzählerin, ehe sie die Engel endgültig in den Büchern verschwinden lassen wird. "Engel des Vergessens", ein Band mit poetischen autobiografischen Skizzen, die man nicht ganz bedenkenlos für einen Roman gelten lassen möchte, ist zunächst als politisches Statement der aus Kärnten gebürtigen, auf Slowenisch und Deutsch bis dato Lyrik schreibenden Autorin Maja Haderlap ein ebenso wichtiges wie berührendes Buch. Es ist ein den Kärntner Slowenen, die im Zweiten Weltkrieg in den Konzentrationslagern ums Leben kamen oder als Part 19fc isanen und deren Unterstützer gegen die Nationalsozialisten kämpften, mit Leidenschaft und Ehrfurcht gesetztes Denkmal. Die Menschen in Haderlaps Erzählung, deren Alter, falls sie überhaupt eines haben, sich schwer schätzen lässt, leben mit ihren traumatischen Erinnerungen an die gemeinsam durchlebten Schrecknisse des Krieges, die sie sich immer und immer wieder von neuem erzählen. Die Erinnerungen an die Vergangenheit umgeben sie wie lebendige Gefährten. Das kleine Mädchen, das als Erzählerin auftritt, muss sich hingegen im Präsens, mit viel Mut und Verantwortungsgefühl durch ihre Geschichte arbeiten. Es wächst, wie Haderlap, auf einem Bauernhof in der Nähe von Eisenkappel/Zelez?na Kapla auf, im spannungsgeladenen Konfliktfeld zwischen ihrer Mutter, die für "ihren Frohsinn nur die Natur, die Lieder und die Katholische Kirche" benötigt, der Großmutter, die der Kirche nicht recht traut und ihre eigenen Absprachen mit der Natur getroffen hat, und dem Vater, der ebenso verzweifelt wie gefährlich zwischen bitterer Todessehnsucht und überschäumender Lebensfreude hin und hergerissen wird. Die Tochter verbringt ihre Tage in der von Ruß und Rauch geschwärzten, nach Sauerteig riechenden Küche der exzentrischen Großmutter, deren Erziehung auch Gesellschaftstanz und Kartenspiel beinhaltet. Doch in Wahrheit lebt die Tochter für ihren verzweifelten, schwer traumatisierten Vater, der als Kind von den nationalsozialistischen Polizisten gefoltert wurde und den Krieg bei den Partisanen erlebt hat, der nun "an das Maßvolle nicht glaubt, weil er, seit er denken kann, nur mit Übertretungen, Übertreibungen und Maßlosigkeiten des Lebens zu tun hat". Sie versteckt sich mit ihrem kleinen Bruder, wenn der Vater im Rausch mit dem Gewehr wild um sich schießt, sie holt ihn schon als kleines Mädchen und später wieder als Studentin aus dem Wirtshaus ab, wenn er wieder einmal "vergessen hat, nach Hause zu kommen". Als erwachsene Frau wird sie ihrem Vater Wien zeigen, sich mit fast mütterlichen Gefühlen für seine abgetragene Kleidung schämen und ihm ihre ersten eigenen Gedichtbände schenken, auch wenn sie weiß, dass er sie nicht lesen wird. Für den Vater ist Sprache weder Kunst noch Ventil. Auf dem heimatlichen Bauernhof wird Slowenisch gesprochen, für die Großmutter, die das KZ Ravensbrück überlebt hat, ist Deutsch nur eine "Lagersprache". Doch die Enkelin lernt Deutsch in der Schule, wird später in Wien studieren, in Ljubljana und schließlich in Klagenfurt leben, sie wird Gedichte auf Slowenisch schreiben, sie wird als Übersetzerin zwischen ihren beiden Heimatsprachen vermitteln, und sie wird schließlich auf Deutsch über ihre Familie und ihr Leben zwischen den Sprachen schreiben. Die Sprache als Instrument, aber auch als lebensnotwendiges Identitätsmerkmal wird in Haderlaps Buch mehrfach thematisiert. An einer Stelle heißt es etwa: "Ich kann nicht ergründen, was ich wirklich lebe. Meine Gefühle sind nicht mit den Wörtern vertraut, die ich spreche." Anderswo sähe das Mädchen die Natur gerne "mit Versen behängt", oder es sitzt stundenlang in "Sprachwiesen" und redet "im Rhythmus der Reime". Die Prosa-Sprache Haderlaps ist kein homogenes Gebilde: Schwelgerische Satzflüsse werden mitunter von stockenden Folgen kurzer Sätze unterbrochen, die nur schwer vom Fleck kommen. Neben poetischen Beschreibungen ragen vereinzelt erstaunlich trockene, bürokratisch anmutende Formulierungen hervor - so die Sprache, die die Ich-Erzählerin in ihrer Reflexion "nicht in Dienst nehmen" kann. Deutsch ist für das Mädchen zunächst nur die Schulsprache, während naturgemäß das in der Familie gesprochene Slowenische für Privates, für Gefühle und Poesie reserviert bleibt. Durch die Großmutter erhält das Slowenische außerdem einen archaischen, mythischen Charakter: Denn die Großmutter glaubt fest an die Wirkung der Worte, ihre entschlossenen Gebete haben die Kraft von Zauberformeln - und einen dieser Sprüche vererbt sie an die Enkelin weiter. Überhaupt ist die Sprache hier das Kunsthandwerk und Überlebensmittel der Frauen, deren Gedichte aus dem Konzentrationslager in die Heimat zurückkehren und dort von anderen Frauen, von Freundinnen, vertont und gesungen werden. Die Enkelin treibt es dennoch weg vom Slowenischen. Haderlap, die lange Jahre Dramaturgin am Klagenfurter Stadttheater war, bekennt, wie sich durch die Arbeit am Theater die slowenische Sprache aus ihren Texten zurückgezogen habe. Die Reflexionen der Dichterin über ihr Handwerk gehören eindeutig zu den Stärken dieses Buchs. Dessen Schwäche liegt jedoch an der Fülle ausgebreiteter Themen, die sich nicht recht zu einem für den Roman erforderlichen Ganzen fügen wollen. Mit den Geschichten der Partisanen aus dem Wald, von den Slowenen, die "im selbstvergessenen Kärnten nicht vergessen lernen können", vom kleinen Mädchen in den Kärntner Bergen, von der mythisierten Kindheit auf der einen, der Chronik einer Autobiografie Maja Haderlaps (mitsamt politischen Erläuterungen) auf der anderen Seite, werden viele, allzu viele Erzählfenster geöffnet, manche gleich wieder geschlossen, andere offen stehen gelassen. |