Tiefe : Roman

Mankell, Henning, 2005
Libresso
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Medienart Buch
ISBN 978-3-552-05343-4
Verfasser Mankell, Henning Wikipedia
Systematik DK - Deutsch Krimi
Schlagworte Thriller, Psychothriller
Verlag Zsolnay
Ort Wien
Jahr 2005
Umfang 365 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Henning Mankell
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Fritz Popp;
Roman über ein entgleisendes Doppelleben. (DR)

Im Jahr 1937 ist Christina Tacker bereits 22 Jahre in einer Nervenheilanstalt. Damit beginnt der Roman, der dann sofort zurückblendet ins Jahr 1914. Christine Tackers Mann, an den sie sich nur noch sehr schemenhaft erinnert, Lars Tobiasson-Svartman, ist als Marineoffizier und Seevermessungsingenieur in geheimer Mission vor der Küste Schwedens unterwegs, um sichere Fahrtrouten auszuloten. Der 1. Weltkrieg hat gerade begonnen, der Krieg zur See spielt am Rande herein, ein toter deutscher Soldat etwa wird angeschwemmt. Svartman vermisst aber nicht nur Meerestiefen, nein, auch seine menschlichen Untiefen - und stellt fest, dass sein Verhältnis zu seinen Mitmenschen vor allem durch sich vergrößernde Abstände ausgezeichnet wird. Auf einer einsamen Schäreninsel lernt er eine dort allein lebende Frau kennen. Er verliebt sich in sie und verspricht ihr, nach Beendigung des Auftrages wieder zurückzukommen. Damit beginnt sein Doppelleben. In der Folge werden beide Frauen von ihm schwanger. Ein deutscher Deserteur, der auf der Insel Unterschlupf findet, ist ihm im Wege und muss als Nebenbuhler eliminiert werden. Mehr soll nicht verraten werden, aber die Hauptperson gerät damit immer tiefer in einen Kreislauf von Gewalt, Lüge und Sehnsucht.
So wie der Krieg am Rande immer präsent ist, so ist es auch die latente Gewalt, die aus der psychischen Tiefe des Offiziers hervorbricht. Vielleicht besteht das Unheimliche an den Gedanken und der Vorgangsweise Svartmanns auch darin, dass seine Beweggründe bis zum Schluss nicht klar sind. Vielleicht ist das aber auch ein Mangel des Buches, in dem das Meer bzw. die Natur die Hauptrolle zu spielen scheint. Beunruhigendes, streckenweise nicht ganz schlüssiges Psychogramm in beeindruckender, poetischer Sprache. Psychothriller mit Schwächen.

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Quelle: Bücherschau (Büchereiservice des ÖGB) (http://www.buecherei.at/);
Autor: Peter Lauda;
Lars Tobiasson-Svartman ist Marineoffizier und Seevermessungsingenieur. Er hat den Auftrag, in den Stockholmer Schären geheime neue Fahrwasserrinnen auszuloten, denn er Erste Weltkrieg ist soeben ausgebrochen. So kurvt er emsig durch die feuchten Nebel, trübsinnig und stets frierend. Auf einer einsamen Schäreninsel stößt er auf Sara Fredrika, die in einer Hütte ein einsames, einfaches Leben fristet. Während zu Hause Krista, die aus wohlhabendem Hause stammt, auf ihn wartet, entbrennt zwischen Lars und Sara eine heftige Liebe. Krista lebt in ihrem Puppenhaus und wird mit Lügen über Geheimdienstaufträge von der Realität ferngehalten. Die innige Zweisamkeit auf der Schäreninsel wird jedoch durch einen deutschen Deserteur, der bei Sara Unterschlupf sucht, gestört. Lars Tobiasson nimmt ihn mit zur Arbeit, auf der nebeligen See tötet er seinen Nebenbuhler. Schließlich versenkt er die Leiche in der Tiefe des Meeres.
Der Roman behandelt Schuld und Sühne. Düster dümpelt er dahin im kalten Nebelmeer, kaum ein Lichtschimmer Hoffnung. Der Tiefenvermesser lotet nicht nur das Meer aus, sondern auch die Abgründe in den Seelen der Personen. Sein Messwerkzeug, das Lot, nimmt Lars sogar nachts ins Bett mit. Mankell erzeugt Spannung durch die düstere Landschaft, durch Kälte und Nebel und das todbringende Meer. Bei diesem neuen Roman handelt es sich nicht um einen Krimi im herkömmlichen Sinn, sondern eher um eine klassische Tragödie, angesiedelt zwischen Strindberg und Dostojewski. Ein Buch über die finsteren Abgründe in der Seele. "Die Tiefe" ist nicht nur ein Buch, das Kälte verbreitet - jedoch nicht unbedingt geeignet für sonnige Sommertage, sondern auch eines, das kalt lässt!
Hier fehlt eine Leitfigur wie etwa der schrullige Kommissar Wallander!

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Quelle: SCHRIFT/zeichen;
Autor: Ursula Stock;
Nicht Kurt Wallander, sondern der Seevermessungsingenieur und Marineoffizier Lars Tobiasson-Svartmann steht im Mittelpunkt des neuen Romans von Henning Mankell, dessen Handlung zu Beginn des Ersten Weltkrieges in den Stockholmer Schären angesiedelt ist. Es geht um den geheimen militärischen Auftrag, neue Fahrwasser für die Marine auszuloten. Tobiasson-Svartmann, ein Mann zwischen zwei Frauen, der ein immer riskanteres Doppelleben führt, ist fasziniert davon, Abstände zu berechnen und Distanzen zu vermessen, und zwar sowohl in der äußeren als auch in seiner inneren Wirklichkeit: "Sein ganzes Leben handelte von Entfernungen." Er träumt davon, endlich den Punkt zu finden, an dem das Lot den Boden nicht erreicht. Als ihm bewusst wird, dass nicht die Abstände zählen, sondern allein Nähe etwas bedeutet, ist es zu spät. Er hat sich bereits viel zu tief in ein dichtes Netz aus Lügen, Eifersucht und Intrigen verstrickt.
Der schwedische Theaterregisseur und Autor Henning Mankell lebt abwechselnd in Schweden und in Maputo/Mosambik. Mit den Kriminalromanen um Kommissar Wallander ("Die fünfte Frau", "Mittsommermord") wurde er zum international bekannten Bestsellerautor, mittlerweile ist er der meistgelesene Autor des skandinavischen Sprachraums. Hingewiesen sei auch auf seine mehrfach ausgezeichneten Kinderbücher ("Der Junge, der im Schnee schlief") und die Afrika-Romane ("Der Chronist der Winde"). Für die Kulturhauptstadt Graz schrieb Mankell zur Eröffnung das Immigrantinnen-Stück "Butterfly Blues", dessen Uraufführung im Jänner 2003 er selbst inszenierte.
Mit "Tiefe" beweist er einmal mehr auf beklemmende Weise, dass er ein Spezialist im Ausloten seelischer Abgründe und Tiefen ist.