Die rote Antilope : Roman

Mankell, Henning, 2001
Libresso
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Medienart Buch
ISBN 978-3-552-05169-0
Verfasser Mankell, Henning Wikipedia
Systematik DK - Deutsch Krimi
Verlag Zsolnay
Ort Wien
Jahr 2001
Umfang 380 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Henning Mankell
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Isabella Müller;
Tragödie eines afrikanischen Jungen in Schweden - berührender Roman einer Entwurzelung. (DR)

Ein unbekanntes Insekt aus der afrikanischen Wüste soll dem Abenteurer Hans Bengler Ruhm und Reichtum sichern. Doch was er schließlich nach Schweden bringt, ist ein Wesen ganz anderer Art: Der afrikanische Waisenjunge "Daniel" erregt im kalten Norden Ende des 19. Jahrhunderts viel mehr Aufsehen als die präparierten Insekten Benglers. Er wird vorgeführt, begafft, vermessen, heuchlerisch unter dem Deckmantel der Wissenschaft, tatsächlich nichts weiter als ein Kuriosum, eine Jahrmarktsattraktion. Daniel, nach ersten Schwierigkeiten augenscheinlich lernfähig und gehorsam, lebt indessen in seiner regen Vorstellungswelt weiterhin da, wo seine Wurzeln liegen: in der Wüste. Immer wieder begegnet er in Träumen und Visionen seinen Eltern Kiko und Be, von denen er spürt, dass sie auf seine Rückkehr warten. Er soll für Kiko das Bildnis der roten Antilope vollenden, an dem dieser gearbeitet hatte, bevor ihn weiße Mörder erschlugen.
Nach dem "Chronist der Winde" hat sich der in Mosambik lebende schwedische Autor Henning Mankell erneut einem Stoff zugewandt, in dem er die Entwurzelung eines afrikanischen Kindes durch die Kälte der Zivilisation behandelt. Daniel scheitert, da die Enge in den Köpfen auch jener Menschen, die ihn lieben, und ihre verbohrte, auf den eigenen Blickwinkel eingeschränkte Weltsicht echtes Verständnis für die Fremdheit und die Bedürfnisse des Kindes unmöglich machen. Daniels Wurzeln überwuchern das Meer zwischen den Kontinenten und ziehen ihn zurück; niemand nimmt sich die Mühe, ihnen nachzugehen, alle versuchen, sie zu kappen. Nur der Tod kann Daniel dahin zurückbringen, wohin er sich sehnt: An den Felsen mit dem Bildnis der roten Antilope. Ein dichter, berührender Roman, allen Bibliotheken sehr empfohlen!

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Quelle: SCHRIFT/zeichen;
Zuhause im Norden Europas, in Schweden, und im Süden Afrikas, in Mozambique: das ist der Autor Henning Mankell. Beiden Regionen entspringen äußerst unterschiedliche literarische Werke. Dem Norden entspringen die berühmten Wallander-Kriminal-Romane - allesamt auf den Bestsellerlisten (zuletzt die "Brandmauer") -, dem Süden Bücher wie der "Chronist der Winde" und "Die rote Antilope".
Mankell leitet in Maputo ein Theater und weiß, wovon er spricht. Und für wen sein Herz spricht, davon können sich Leser überzeugen. Nicht Mord und Totschlag und deren Aufklärung sind die Themen, die aus Afrika kommen, sondern die Sorge um die Lebenden, um ihre Kultur, ihren täglicher Kampf ums Überleben.
Im neuesten auf Deutsch erschienenen Afrika-Roman schreiben wir das Jahr 1877, wird ein schwarzes Kind bei einem Massaker übersehen und von einem weißen Insektenforscher adoptiert und nach Schweden mitgenommen - damit es lebe.
Als Daniel wird von Hans Bengler, dem Käferforscher, das unverstandene Kind in Schweden dem Publikum präsentiert. Wieder und wieder versucht es, aus dem Land zu fliehen. Zurück in die Kalahariwüste, zurück in die Vergangenheit zu seiner Familie, zu seiner Kultur. Erfolglos. Wieder und wieder wird es zurückgerissen, eingefangen.
Schier zerreißt es einem beim Lesen das Herz, wie sich dieser Junge da unverstanden in dem fremden Land bewegt, ohne Hoffnung auf Erfüllung seiner Träume, dort zu leben und sterben, wo seine Sehnsucht ihn hinträgt, hintragen will.
Der gute Wille allein hilft nicht zu helfen, so Mankell, er muss von Vernunft begleitet sein. Das Gegenteil von gut ist gutgemeint: dieser Satz könnte auch der Untertitel des Romans sein.
Kritisch wäre vielleicht anzuführen die allzu einfache Gegenüberstellung von einer äußerst fragwürdigen modernen europäischen Welt, in der aus der Sicht Daniels "alle Götter auf der Flucht" sind, mit der Wüste Afrikas, in der Familien und ihre Ahnen in friedlichen Zusammenleben Kultur pflegen, die zerstört wird von den nichtsverstehenden Weißen.
Andererseits gelten Ignoranz und Arroganz der Weißen gegenüber den Schwarzen von der Kolonisation bis heute. In Mankells Roman ist das in Literatur gebracht.
Brigitte Schwens-Harrant
März 2002
*Sz*