Winifred Wagner : oder Hitlers Bayreuth

Hamann, Brigitte, 2002
Libresso
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Medienart Buch
ISBN 978-3-492-04300-7
Verfasser Hamann, Brigitte Wikipedia
Systematik GK20 - Geschichte 20./21.Jhdt.
Schlagworte Bayreuth, Nationalsozialismus, Wagner, Richard
Verlag Piper
Ort München
Jahr 2002
Umfang 687 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Brigitte Hamann
Illustrationsang Ill.
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Beate Hennenberg;
Ein Buch voller Zündstoff, das erstmals in dieser Deutlichkeit die vielfältigen Beziehungen zwischen Hitler und der Familie Wagner offen legt. (BI)

Das 680 Seiten starke Werk schließt sich fast nahtlos an Hamanns international hoch gelobtes Opus "Hitlers Wien" an, daher auch der Alternativ-Titel. Bekannt war, dass Winifred Wagner über mehr als zwei Jahrzehnte Hitlers Bayreuther Statthalterin war. Bislang galt sie daher als zu verachten. Die Historikerin und Journalistin Brigitte Hamann hat - es war nicht anders zu erwarten - ein sehr ehrliches, sehr gut recherchiertes und empfehlenswertes Buch über Richard Wagners Schwiegertochter (und Mutter des amtierenden Festspielchefs) geschrieben und ihr behutsam einige Lackschichten abgekratzt. Hamanns präzise, aber faire Chronik aus Nazi-Bayreuth ist um jene Frau zentriert, ohne deren Fanatismus die Festspielgeschichte wahrscheinlich anders verlaufen wäre. Sie agierte bedenklich als auch denkwürdig, und war somit wohl das umstrittenste Mitglied des Wagner-Clans. Als die 18-jährige englische Waise Winifred Marjorie Williams am 22. September 1915 auf dem Bayreuther Familiensitz Wahnfried den 28 Jahre älteren Komponisten Siegfried Wagner heiratete, den einzigen Sohn von Richard und Cosima, hatte sie schon ein Paket an Lebenserfahrungen wie kaum eine andere. Es folgen Erfolge und Tiefschläge. Hitler, kurz vor Weihnachten 1924 auf Bewährung aus der Landsberger Haft entlassen, lädt Winifred zu seiner Groß-Demo im Münchner Bürgerbräukeller ein. Es entstand zu ihm eine Nähe, die auch die große Katastrophe nicht auszulöschen vermochte. Ohne Aufgabe ihrer alten Feindbilder macht sie nach dem Krieg weiter. 1980 starb sie 82-jährig.
Ihre vielbeschworene "Mission", die Festspiele auch nach dem Tod Siegfrieds durch schwere Zeiten zu bringen und künstlerisch an die Gegenwart anzupassen, hatte sie erfüllt, trotz allem. Sie war weder Heldin noch Verbrecherin, sondern gehörte, so Hamanns Fazit, zur großen Masse der Verblendeten, die Hitler erlagen.