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LH
Pre
Die Kunst, kein Egoist zu sein : warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält
Precht, Richard David, 2010| Libresso | |
| Verfügbar |
Ja (1)
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| Exemplare gesamt | 1 |
| Exemplare verliehen | 0 |
| Reservierungen | 0Reservieren |
| Medienart | Buch |
| ISBN | 978-3-442-31218-4 |
| Verfasser | Precht, Richard David
|
| Systematik | LH - Lebenshilfe |
| Schlagworte | Egoismus |
| Verlag | Goldmann |
| Ort | München |
| Jahr | 2010 |
| Umfang | 543 S. |
| Altersbeschränkung | keine |
| Auflage | Orig.-Ausg. |
| Sprache | deutsch |
| Verfasserangabe | Richard David Precht |
| Annotation | Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Aloisia Altmanninger; Wie ist der Mensch beschaffen? Ist er gut oder schlecht? (PP) Precht will verstehen, wie der Mensch von Natur aus beschaffen ist, welche Umstände den Menschen böse machen und wie sich das heutige Deutschland verändern soll, um das Gute zu fördern und den Spielraum für das Schlechte enger zu machen. Eine große Aufgabe! Herausgekommen ist ein komplexes philosophisches und gesellschaftskritisches Werk, das innerhalb kurzer Zeit Prechts dritter Bestseller wurde. Precht bereitet philosophisches und psychologisches Grundwissen in dicht gedrängter Form auf und bleibt dabei immer verständlich, mehr noch, er fesselt mit markanten Formulierungen und prägnanten Zitaten. Erkenntnisse aus der Antike bis zur modernen Hirnforschung werden analysiert und bewertet, dabei kommt in der Fülle manches zu kurz - an Platons Idee des Guten zu kritisieren, dass das Gute nur als Bild ausgedrückt werden kann, ohne jegliche Alternative anzubieten, lässt diese Frage unbeantwortet. Aber das will Precht ja erreichen, er will nicht fertige Wahrheiten anbieten, sondern selbständiges Denken fördern. Seine Überlegungen münden in praktische Empfehlungen für unsere Zeit, wie Demokratie gefördert und die Wirtschaft den Menschen dienen könnte. Warum bisher viele einfache Lösungen noch nicht umgesetzt wurden, erklärt er schlüssig. Sein großer Rundgang zu den verschiedenen Menschenbildern kann allen Bibliotheken empfohlen werden. ---- Quelle: Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (http://www.jungk-bibliothek.at/); Neue Wirtschaftsethik Richard David Precht gilt als Jungstar in der neuen deutschen Philosophieszene. In seinem neuen Buch "Die Kunst, kein Egoist zu sein" diskutiert er in den drei Abschnitten "Gut und Böse", "Wollen und Tun" sowie "Moral und Gesellschaft" aktuelle Fragen auf ansprechendem Niveau und zudem leicht verständlich. Hier insbesonders von Interesse sind die Ausführungen zu Wirtschaft, Moral, Menschenbild oder Lebensqualität. Precht schreibt unter Bezugnahme auf aktuelle Forschungen etwa der Neurobiologie oder Glücksforschung an gegen reduktionistische Betrachtungen des Menschen als egoistisches Wesen. Er kritisiert die Verdummungsstrategien der Konsumgesellschaft ebenso wie den Verlust der Moral im Wirtschaften. "Die Krise unserer Zeit ist mehr als nur eine Finanz- und Wirtschaftskrise. Sie ist eine Gesellschaftskrise", konstatiert der Philosoph. Unsere Wirtschaft, die uns in vielen Dingen weit nach vorn gebracht habe, schade uns aber ebenso: "Noch nie zuvor war eine Gesellschaft so sehr auf Materielles fixiert, ohne dadurch glücklicher zu werden." (S. 352) Die mangelnde Solidarität sei Folge unseres Wirtschaftens: "Markt- und Markenwirtschaft erzeugen kein Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern moralische Zeitarbeiter ohne Milieubindung." (ebd.) Doch eigentlich wollten wir etwas anderes: mehr Muße, mehr Freizeit, weniger Stress, einen erfüllenden Beruf und mehr Zeit für Freunde und Familie. "Wir brauchen nicht mehr Zeug, sondern mehr Zeit." (ebd.) Sätze wie diese mögen einfach - für manche vielleicht sogar vereinfachend - klingen, sie treffen aber doch den Kern dessen, was hinter den aktuellen Krisen steht. Precht kritisiert freilich auch die "shifting baselines" in der Bereicherungswirtschaft der letzten Jahrzehnte. Bezug nehmend auf die "ordoliberale Schue" des Freiburger Kreises um Walter Eucken und anderen meint er etwa im Kapitel "Herr Ackermann und die Armen", dass das sich als "neoliberal" selbst missverstehende Finanz-, Wirtschafts- und Denkmodell "bankrott" sei: "Die Finanzkrise belehrt ebenso missverständlich darüber wie der moralische Notstand unseres Wirtschaftssystems." (S. 400). Immer wieder verweist der Philosoph auf die Bedeutung von Werten für das Zusammenleben. Moral entstehe durch "Vorleben und Abgucken, durch Nachahmen und Identifizieren", das gegenwärtige Wirtschaftssystem wirke dem jedoch diametral entgegen: "Wer einseitig auf Konkurrenz setzt und die Kooperation vernachlässigt, gebiert keine netten Menschen. Wer gesättigte Märkte mit staatlichen Finanzspritzen aufputscht, um die Status-Gier zu beflügeln, der pult am sozialen Kitt unserer Gesellschaft. Wer tatenlos zusieht, wie sogenannte Spitzenmanager die Gehalts- und Bonusschraube ins Unermessliche drehen, der gefährdet das Gefühl für Sitte und Anstand." (S. 395) So gesehen sei die Finanzkrise weniger ein Unfall als ein Symptom unserer Zeit. Precht setzt auf die Etablierung "moralisch fühlender und denkender Milieus" (S. 411) in Unternehmen sowie in der Gesellschaft, auf bürgerschaftliches Engagement, das den Sozialstaat nicht erübrige, aber aufgrund des demografischen Wandels in Zukunft ergänzen müsse, sowie auf eine neue Steuerkultur. Anders als Peter Sloterdijk, der im Juni 2009 in der FAZ zum "antifiskalischen Bürgerkrieg" aufgerufen hatte, plädiert Precht für die Erhöhung der "intrinsischen Motivation" für das Steuerzahlen. Ab Jahreseinkommen von 250.000 Euro sollten etwa fünf Prozent mehr Steuer erhoben werden, die Betroffenen sollten sich jedoch den Verwendungszweck dieser Mehrsteuer aussuchen können. Nicht zuletzt plädiert der Autor für eine starke Dezentralisierung, sprich Aufwertung der Kommunen und deren Leistungen statt deren Privatisierung; zugleich müsse die totale Liberalisierung des Marktes (bei Ausschreibungen) durch die Europäische Union zurückgenommen werden. Denn: "Was als freier Markt innerhalb Europas deklariert wird, kennt am Ende nur noch wenige Große, die sich den Markt aufteilen." (S. 446) Der Krise der Politik möchte Precht überdies durch eine Konkordanzdemokratie à la Schweiz, die der Konkurrenzdemokratie überlegen sei, sowie durch mehr direkte Demokratie entgegenwirken. Generell geht der Philosoph von der starken Formbarkeit der Präferenzen von Menschen aus, was eben die Wichtigkeit moralischer Milieus unterstreiche: "Sozialverhalten und moralische Gruppenstandards sind das Ergebnis von Ansteckungen, die mich oft nur vermeintlich aus mir selbst heraus motivieren." (S. 433) Darauf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auszurichten, sieht er daher als Hebelpunkt für eine Umsteuerung. Ein sehr lebens- und politiknahes Buch eines Philosophen, das die Disziplin bereichert! Hans Holzinger |