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JR
Wel
Besuch aus der Vergangenheit
Welsh, Renate, 1999| Libresso | |
| Verfügbar |
Ja (1)
|
| Exemplare gesamt | 1 |
| Exemplare verliehen | 0 |
| Reservierungen | 0Reservieren |
| Medienart | Buch |
| ISBN | 978-3-85197-373-0 |
| Verfasser | Welsh, Renate
|
| Systematik | JR - Jugend Roman |
| Verlag | Obelisk |
| Ort | Innsbruck |
| Jahr | 1999 |
| Umfang | 134 S. |
| Altersbeschränkung | keine |
| Sprache | deutsch |
| Verfasserangabe | Renate Welsh |
| Annotation | Quelle: 1000 und 1 Buch (http://www.1001buch.at/); Autor: Gertie Wagerer; Annotation: Die Begegnung mit einer alten Exilösterreicherin ist für die 14jährige Lena und ihre Familie eine Konfrontation mit österreichischer Vergangenheit und Gegenwart . Die in Canada lebende Jüdin Emma Greenburg und die fast 14jährige Lena begegnen einander vor der Wohnung, aus der Emma als 13jährige fliehen musste und in der Lena mit ihrer Familie nun wohnt. Unbefangen zeigt das Mädchen der Unbekannten ihr Zimmer, aber schon Lenas Mutter reagiert sehr befremdet, und Lenas Großmutter ist mehr als unhöflich zu Frau Greenburg. Aus der wechselnden Perspektive dreier Frauen der verschiedenen Generationen (Lenas, der Mutter und der Großmutter) versucht die Autorin die gegenwärtige Haltung und Meinung über die Judenverfolgung von österreichischen Menschen wiederzugeben. Für Lena ist es am leichtesten. Sie hat das Tagebuch der Anne Frank gelesen, ist aber noch nie mit jüdischer Kultur in Berührung gekommen. Weder hat sie jüdische Mitschüler(innen), noch ist sie jemals jüdischem Alltag, Festen oder Feiern begegnet. Lenas Zivilcourage ist moderat, weil kaum gefordert, als ihr aber der rassistische Witz eines Mitschülers nicht gefällt, gibt sie ihm eine Ohrfeige. Genauso wie ihre Mutter, Monika. Auch sie schlägt zu, als ihr eine Aussage ihrer Tochter nicht passt (S.38), denkt "Ohrfeigen könnte ich Lena, vielleicht brächte sie das zur Vernunft" (S.75) und hält sich einmal im letzten Moment vor dem zuschlagen zurück (S.85). Allerdings hat sie es am schwersten. Seit zwei Jahren ist ihr Mann beruflich im Ausland und erst am Ende des Buches erfährt man, dass er überraschenderweise doch nach Hause zurückkehrt. Da die Großmutter den Haushalt führt, ist die erwachsene Frau ständiger mütterlicher Kritik ausgesetzt, zusätzlich zum eigenen beruflichen Stress. Sie stellt sich der Frage nach "vergangener oder ererbter Schuld, mit der sie sich herumquält!" (S.75) Oma, Frau Gerti Brunner, ist sehr überzeugend dargestellt. Sie hat den Krieg mit allen Entbehrungen, Grässlichkeiten (Vergewaltigung etc.) und Härten mitgemacht, und meint dennoch "...aber der Frau Grünberg ist ja nichts geschehen" (S. 21). Und ;"Ich bin´s nur so leid, wenn ich geradestehen soll für etwas, was andere getan haben. Wer hat mich denn gefragt?" (S. 63f). Es gelingt ihr nicht einzugestehen, dass es ein furchtbarer Irrweg war, den ein Großteil der Bevölkerung gegangen ist. Es ist ihr nicht möglich einzusehen, dass es NIEMALS normal sein kann, andere Menschen auszugrenzen und ihnen das Wohnrecht abzusprechen ; Besitztümer wegzunehmen und sie bis zum Tod zu verfolgen. Genau an diesem Punkt ist die Autorin selbst in der Zwickmühle. Einerseits möchte sie Verständnis wecken, für eine Generation, die unterprivilegiert und verblendet war, andererseits ist aber gerade das kaum möglich, denn der Lernprozess seither war zu gering. Das fehlende Gefühl für das Unrecht, die Scham, mitgemacht zu haben und den Holocaust nicht als himmelschreiende Sünde empfunden zu haben kommen viel zu wenig zum Ausdruck. R. Welsh wagt es auch nicht, diese Empfindungen der Romanoma in den Mund zu legen, denn sie wären zu unecht. Damit bleibt aber nach der Lektüre des neuen Buches der Autorin ein großes Fragezeichen: Wie sollen, wie werden die heutigen 14jährigen tatsächlich mit der Vergangenheit umgehen? Renate Welsh spricht in "Besuch aus der Vergangenheit" unzählige heutige Probleme an: Kosovokrise, Bosnienkrieg, und NATO-Bombardements, Alleinerzieherproblem und Schulschwierigkeiten, Waldheimaffäre, usw. Will sie damit sagen, dass auf jede Generation der Tag zukommt, an dem sie sich dem Urteil und der Kritik von Nachgeborenen stellen muss? Dass die Zeit für Entscheidungen hier und jetzt ist? Wie ein Schulkollege Lenas meint: "Uns bleibt auch gar nichts anderes übrig, als in der Nachwelt zu leben, mit dem ganzen Müll, der sich seither angesammelt hat" (S.129) Ein gut gemeintes Buch ab 13 *ag* Doris Göldner Eines Tages steht eine alte Dame aus Vancover vor der Tür und behauptet, vor 61 Jahren hier in diese Räumen, in denen jetzt Lena und ihre Mutter wohnen, gelebt zu haben. Während die beiden dem Gast sehr freundlich begegnen, reagiert die Großmutter unerwartet aggressiv. Sie vermutet, dass die damals vertriebene Jüdin nun Ansprüche auf die doch in den 60er-Jahren rechtmäßig erworbene Wohnung erheben könnte. Aus der Perspektive von Großmutter, Mutter und Tochter wird nun die Frage nach der Schuld und ihrer Bewältigung, nach Vergebung und Wiedergutmachung gestellt und naturgemäß sehr unterschiedlich beantwortet. Besonders die Betroffenheit der Großmutter wird durch die stimmige Darstellung ihrer eigenen Reflexionen gut nachvollziehbar. Zugleich liegt eine Hoffnung in der Offenheit und Geradlinigkeit Lenas, dass sich vielleicht doch einmal etwas ändern könnte und nicht, wie es sich die Großmutter wünscht "Endlich einmal Schluss!" ist. Ein politisch wichtiges Buch, das durch jüngste Geschehnisse höchst aktuell ist und zugleich die Problematik des Geschichtsbewusstseins und - verständnisses von drei Generationen thematisiert. ---- Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Liselotte Leikermoser; Klare, kompromisslose Darstellung österreichischer Gesellschaftspolitik. (JE) (ab 12) Renate Welsh ist immer gut; mit diesem neuesten Jugendbuch ist sie sehr gut. Renate Welsh macht Bestandsaufnahme für die Generationen in Österreich. Das Tableau besteht aus drei Figuren: Oma Gerti, die nicht das Talent hat sich zu freuen. Sie kommt ihrer Kleinfamilie vor wie diese Frauen, die nur wissen, was ihnen fehlt, nicht, was sie haben. Deren einziges Kind Monika, eine patente junge Frau, die ihrer Tochter Lena eine liebevolle, liberale Mutter ist, willens und bereit ihre Ehe aus der Krise zu retten. Lena, die 13-jährige zentrale Figur, die Österreichs jüngster Zeitgeschichte sehr nah ist, Rassismus und Ausgrenzung klarsichtig wahrnimmt. Die Nachdenklichkeit Lenas erhält in der Begegnung mit Frau Greenburg aus Vancouver eine schmerzliche Dimension. Emma Greenburg, mosaischer Konfession, lebte als Kind in Monika/Lenas Wohnung. Frau Greenburg, Überlebende des Holocaust, ist für Oma Gerti beunruhigend, unerwünscht. Egoistisch beharrt sie auf ihrer eigenen Kriegs- und Nachkriegsvergangenheit, viele hässliche Töne sind hörbar. Mit dem Wissen über Emma Greenburg und deren Schwester Ruth, die im Gas umkam, wird Lena aus dem Nest "Kindheit" vertrieben, muss die manchmal verstörende Erwachsenenwelt begreifen. Renate Welsh gelingt es, NS-Vergangenheit und Gegenwart (Kosovo-Krieg) subtil zu bündeln. In ihrer Sachlichkeit liegt die Wucht der Erzählung. Junge Leser/innen können bestimmt damit etwas anfangen, wenn ein ehrlicher Text darstellt: Keine Versöhnung, wenn nicht zuvor Klarheit geschaffen wurde. Lena und Monika können es, Oma Gerti bleibt im Bemühen. Stellvertretend für ihre Generation? Renate Welsh hat den Mut es so unverhüllt jungen Leuten anzubieten. Sehr empfehlenswert für alle Bibliotheken. ---- Quelle: STUBE (http://www.stube.at/); Großmutter, Mutter und Tochter. Drei Generationen. Drei Reaktionen, als plötzlich eine fremde ältere Frau vor der Tür des Hauses steht und erzählt, dass sie früher hier gewohnt habe. Früher, als jüdische Familien aus ihren Häusern vertrieben und in Konzentrationslager verschleppt wurden. Verdrängtes schlechtes Gewissen, indifferente Schuldgefühle, Angst, dass einem etwas weggenommen und alte eigene Wunden wieder aufgebrochen werden könnten, machen Großmutters ungewohnte Aggressivität nachvollziehbar, nicht aber verständlich. Alle drei versuchen auf ihre Art, alten Geschichten nachzugehen, Wurzeln zu suchen und finden erst sehr spät zurück zu einem gemeinsamen Gespräch. |