Der Weltensammler : Roman

Trojanow, Ilija, 2006
Libresso
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Medienart Buch
ISBN 978-3-446-20652-6
Verfasser Trojanow, Ilija Wikipedia
Systematik DR - Deutsch Roman
Verlag Hanser
Ort München
Jahr 2006
Umfang 473 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Ilija Trojanow
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Kristina Werndl;
Farbenprächtiges Porträt eines weitgereisten Zeitgenossen im 19. Jahrhundert. (DR)

Ilija Trojanow erzählt in seinem jüngsten Buch vom Leben des historisch verbürgten Abenteurers, Forschungsreisenden und Übersetzers Richard Francis Burton (1821 - 1890), der im Namen der britischen Krone zu den Außenposten des Reichs und in unkartografiertes Gebiet, nach Indien, Arabien und zu den Nil-Quellen, vordrang. Für seinen erfahrungssatten und gut recherchierten Roman bekam der 1965 in Sofia geborene Schriftsteller den Preis der Leipziger Buchmesse 2006 in der Kategorie Belletristik. Das Buch verkauft sich glänzend und die Gründe dafür liegen auf der Hand.
Mit Richard Francis Burton steht eine Figur im Zentrum der Erzählung, die sich durch ihre Wandlungen und Wandlungsfähigkeit auszeichnet. Eine Figur, die sich im Weltbasar der Religionen tummelt, die neue Identitäten überzieht und ablegt wie Kleider und deren "wahre" Identität - wenn es sie denn gibt - unter all den Kleiderschichten nicht mehr auszumachen ist. Dieses multiidentische Sein korreliert mit der Befindlichkeit vieler heutiger Menschen in unseren Breiten, wo das Paradigma der Wandlungsfähigkeit zumindest in der Berufswelt ein Modus Vivendi geworden ist.
Es ist in erster Linie die schillernde Figur Burtons, eines Nachfahren Kapitän Marlowes in Joseph Conrads "Heart of Darkness", der Trojanows Interesse gilt. Die exotischen Schauplätze bilden die Kulissen, vor denen sich das Schauspiel dieser vagabundierenden Seele entfaltet. Kaleidoskopartig entsteht Burton vor dem Auge des Lesers, der ihn in unterschiedlichen Facetten, durch die Berichte seiner Weggefährten, zu fassen kriegt. Die Kolonialisten mit den Augen der Kolonialisierten gesehen und umgekehrt - dieses Verfahren bringt wertvolle Aufschlüsse. Anders als der Klappentext behauptet, hilft das Buch kaum dabei, das heutige Indien, Arabien und Ost-Afrika zu verstehen. Es wartet aber mit starken, von einer orientalischen Erzähltradition inspirierten Bildern und einem kräftigen Erzählton auf. Witzig, anregend, lesenswert.

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Quelle: Buch und Medien Südtirol (http://www.provinz.bz.it/kulturabteilung/bibliotheken/320.asp);
Autor: M. Fritz;
Trojanows Protagonist ist eine historische Figur: Sir Richard Francis Burton (1821-1890), britischer Offizier in Kolonial-Indien, ist ein Reisender, der - ausgestattet mit Mut, Abenteuersinn und vor allem Neugierde - sehr interessiert ist an den Sitten und Gebräuchen der Einheimischen. Der Militärdienst interessiert ihn wenig. Burton verfasst Bücher und Reiseberichte, übersetzt das Kamasutra und die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Er ist ein Sprachtalent: er lernt in Windeseile die Sprachen der Einheimischen und würde sich am liebsten in einen Inder, Karatschi oder Moslem verwandeln. Von Indien führt Burtons Weg mit einer Pilgerkarawane nach Mekka und Medina, und das zu einer Zeit, als Andersgläubigen der Zugang zu den Heiligtümern des Islam streng verwehrt war. Während im ersten Teil des Buches Körper und Geist im Mittelpunkt stehen, ist der mittlere Teil der Religion gewidmet. Im dritten geht es um die Erforschung der geheimnisumwitterten Quellen des Nil. Von Sansibar aus macht sich eine Expedition auf den Weg ins Landesinnere. Trojanow erzählt detailreich, geschmeidig, abwechslungsreich und pointiert. Er findet suggestive und einprägsame Bilder für das Leben in der Fremde. In vielstimmigen Kapiteln bringt er dem Leser verschiedene Welten nahe, ohne belehrend zu sein. Der Autor hat für diesen Roman, für den er mehrere Jahre in Indien, Arabien und Zentralafrika recherchiert hat, den Preis der Leipziger Buchmesse 2006 erhalten.