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DR
Wol
Vom Leben und Sterben des Herrn Vattern, Bauer, Handwerker und Graf : Roman
Wolfmayr, Andrea, 2016| Libresso | |
| Verfügbar |
Ja (1)
|
| Exemplare gesamt | 1 |
| Exemplare verliehen | 0 |
| Reservierungen | 0Reservieren |
| Medienart | Buch |
| ISBN | 978-3-902901-17-0 |
| Verfasser | Wolfmayr, Andrea
|
| Systematik | DR - Deutsch Roman |
| Verlag | edition keiper |
| Ort | Graz |
| Jahr | 2016 |
| Umfang | 359 S. |
| Altersbeschränkung | keine |
| Reihe | Literatur |
| Reihenvermerk | 70 |
| Sprache | deutsch |
| Verfasserangabe | Andrea Wolfmayr |
| Annotation | Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Wolfgang Moser; Tagebuchroman über den demenzkranken Vater und das schwindende Leben. Das Ende ist sicher; das Wann und das Wie sind quälend ungewiss. (DR) Etwas mehr als drei Jahre lang führt Magdalena Tagebuch über das Leben mit ihrem Vater, der an Parkinson und Demenz leidet. Dieser hat sich in der ländlichen Steiermark jahrzehntelang daran gewöhnt, den Alltag aller Familienmitglieder nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten und zu bestimmen. Rasch schlägt im gemeinsamen Haushalt der kleine Ärger über schlampige Kleidung oder über ein verschmutztes Klosett in Niedergeschlagenheit um. Aus der Verzweiflung darüber, Tag für Tag - und nachts! - für den Alten da sein zu müssen, wächst Aggression. Die Mittfünfzigerin schildert, wie dem Pflegebedürftigen das Leben mehr und mehr entgleitet, wie die schwächer werdenden Lebenskräfte das familiäre Zusammenleben stören und zerstören. Mehr noch beobachtet sie Veränderungen in der Vater-Tochter-Beziehung und an sich selbst. Und: "Manchmal hilft ein Schnaps, zwei oder drei " Was anfangs nach Anekdoten über einen zunehmend schrulligen Greis klingt, endet in einem inneren Zwist zwischen aufopferndem Pflichtbewusstsein, Ekel und abgeklärter Distanz. In umgangssprachlichem Tonfall ist der Autorin eine eindrucksvolle Darstellung dessen gelungen, was jeder Mensch für sich selbst und seine Angehörigen fürchtet. Offen bleibt, ob das Erzählte einen autobiografischen Kern hat. Ein Buch zum Nachdenken über ein zu oft verdrängtes Thema! ---- Quelle: Pool Feuilleton; "Der Mensch ist eine Fehlkonstruktion! - Es riecht nach Nieren. - Was wird bleiben? - Fetzen!" Andrea Wolfmayr legt von Anfang an klar, dass es in diesem Roman mit den Beteiligten bergab geht. In einem fast pervers-dichten Kammerstück wohnen die Erzählerin Magdalena, ihr Mann Sepp und der alte Vati in Kleinhäusler-Position dicht an dicht aufeinander. In einem Verzweiflungstagebuch notiert die Erzählerin den allmählichen Verfall ihres Vaters, der erst spät die offizielle Diagnose Parkinson erfährt, bis dahin gilt er als wunderlich, vergesslich und unberechenbar. Die Tochter beschreibt die Vorgänge in Miniaturen des Verfalls. Oft genügen zwei drei Tage Pflegeflucht, um den Verfall besonders deutlich vor Augen zu haben. Während der Verlöschungsprozess sich über drei Jahre hinzieht, macht die Erzählerin so ziemlich alle Stufen der Verwunderung und Verwundung durch. Zuerst ist sie noch verblüfft, wie positiv in sogenannten Pflegeratgebern das kaputte Leben und das Sterben dargestellt wird. Dann kommen persönliche Schuldgefühle auf, ob sie sich nicht hätte früher abwenden müssen, schon aus Gründen des Selbstschutzes, und am Schluss bleibt schließlich eine existentielle Wut-Orgie übrig. Der barocke Titel fällt Magdalena ein, als sie die diversen Stationen der Gewalt von Kindheit an und den Familienfaschismus Revue passieren lässt. Die Empathie der Leserschaft liegt eindeutig bei der Erzählerin, die lapidar feststellt, ich trinke, sich in Therapie begibt und mit gutgemeinten Wortüberbrückungen wieder am Schutzwall des Dementen abprallt. So viel Vergesslichkeit kann man doch gar nicht spielen, denkt sie sich. Das Erlebnisbuch vom Verwesen wird eisern durchgehalten. Als sich einmal das erzählende Ich nach einem Bandscheibenvorfall vor Schmerzen windet, wird die Erzählposition in sie, Manuela, gewechselt, als ob man so aus der eigenen Schmerzens-Haut heraustreten könnte. (65) Geradezu hilflos sind die Abwehrmaßnahmen gegen den permanenten Uringeruch, Manuela und Sepp mauern sich unter Dach in einer kleinen Wohnung ein, aber der Vater aus dem Parterre stinkt so erbärmlich, dass auch dies keine Lösung ist. Er ist noch immer nicht gestorben! Wie ein Fluch hängt dieser Seufzer an den Wänden. - Und endlich, als schon jedes Zeitgefühl für alle verlorengegangen ist, stirbt der Vater, helft mir sagt er noch, von seiner früheren Allmacht ist nichts mehr übrig. Andrea Wolfmayers Roman geht ohne Schnörkel stracks in jene Tabuzonen, die vor allem in der Unterhaltungsliteratur schroff ausgegrenzt werden. Aber die handfeste Literatur muss auch ins Düstere und Zerborstene hineinleuchten, quasi als letzter Hilfstrupp, wenn alles andere schon versagt hat. Helmuth Schönauer |