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DR
Wol
Im Zug : Aufzeichnungen einer Pendlerin
Wolfmayr, Andrea, 2011| Libresso | |
| Verfügbar |
Ja (1)
|
| Exemplare gesamt | 1 |
| Exemplare verliehen | 0 |
| Reservierungen | 0Reservieren |
| Medienart | Buch |
| ISBN | 978-3-9502761-9-0 |
| Verfasser | Wolfmayr, Andrea
|
| Beteiligte Personen | Podesser, Philipp
|
| Systematik | DR - Deutsch Roman |
| Verlag | edition keiper |
| Ort | Graz |
| Jahr | 2011 |
| Umfang | 426 S. |
| Altersbeschränkung | keine |
| Reihe | Literatur |
| Reihenvermerk | 14 |
| Sprache | deutsch |
| Verfasserangabe | Andrea Wolfmayr. [Bildteil von Philipp Podesser] |
| Illustrationsang | Ill. (farb.) |
| Annotation | Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Wolfgang Moser; Panoptikum eines Pendlerlebens zwischen der Oststeiermark und Graz - Beobachtungen aus dem Alltag und persönliche Gedanken. (DR) Was steht am Beginn literarischer Werke, was wird letztendlich veröffentlicht? Die steirische Autorin Andrea Wolfmayr, Jahrgang 1953, versuchte von April 2008 bis Mai 2010, ihren persönlichen Tagesablauf mit einem Sprachexperiment zu verknüpfen. Im Zug notierte die Pendlerin auf der knapp 40-minütigen Fahrt vom oststeirischen Gleisdorf nach Graz, was ihr in den Sinn kam: Gedanken zu Mitreisenden, Gesprächsfetzen, Überlegungen zu Familie und Arbeitsplatz, Tagesaktualitäten aus der Zeitung, körperliche Empfindungen, Eindrücke aus der sich im Jahreslauf wandelnden oststeirischen Natur, Erinnerungen an den Vortag. Nicht alles ist sofort verständlich, der Leser beginnt erst allmählich, die wiederkehrenden Namen zuzuordnen, lernt andere Pendler unter den von der Autorin gegebenen Namen kennen (das "Murmeltier", die "Quasselfrau", der "Pferdemann"). Die Fahrtzeit wurde Arbeitszeit, Übergangs- und Wartezeit, Schlafzeit, Kommunikationszeit, Lesezeit - und Schreibzeit. Eine bewegte Gedankenwelt mischt sich und kontrastiert zugleich mit dem Gehörten und Gesehenen, wird beeinflusst von Müdigkeit morgens um halb sieben und Erschöpfung bei der Heimreise und mündet in ein sprachlich variantenreiches Stakkato. Raffiniert heißt verarbeitet und verfeinert, raffinierter Zucker ist das übliche Süßungsmittel: doch der (literarische) Rohzucker besticht durch seinen authentischen, intensiven und unverhohlen ehrlichen Geschmack. Die Begegnung mit der Pendlerin macht neugierig aufs Weiterlesen; Philipp Podesser illustrierte das Werk mit eindrucksvollen ganzseitigen Schwarzweißporträts von Mitreisenden. Dieses Buch ist für Menschen geschrieben, die das Werden von Literatur gerne miterleben. ---- Quelle: Pool Feuilleton; Im Volksmund werden Geschichten vom täglichen Zug-Fahren längst Pendler-Roman genannt. So ein Roman wird nicht gelesen, sondern täglich inszeniert. Andrea Wolfmayr nennt ihren Pendler-Roman "Im Zug". Die Erzählerin schreibt dabei gut drei Jahre lang zwischen 2008 und 2010 alles auf, was täglich zwischen Gleisdorf und Graz im Zug passiert, und als Leser liest man diese Aufzeichnungen in einem Zug. Während gewöhnliche Pendler entweder flache Zeitungen lesen oder aus flachen Sticks Musik in die Ohren einleiten, schreibt A. quasi um ihr Leben. Natürlich ist die Strecke immer gleich lang, aber durch Abwarten eines Gegenzuges, Entfernen eines Tierkadavers, technische Panne nach einem Suizid und unerwarteten Triebwerksschaden ist jeden Tag für Spannung gesorgt. Die Außenwelt bleibt nahezu unverändert, ein still gelegtes Haus verwittert verlässlich, ein Reh hält sich am Waldesrand an den Äsungs-Fahrplan. Auch politisch tut sich nichts, die Pendlerin war einmal Abgeordnete im Nationalrat, hat aber inzwischen ziemlich abgeschlossen mit der Politik. Nicht einmal wenn eine stupide Schlagzeile auf einem Kleinformat aufleuchtet, entlockt es ihr einen Kommentar. Im Innern freilich ist jeden Tag die Hölle los. A. steigt jeden Tag auf die Waage und muss feststellen, dass sie immer fetter wird. Schuldgefühle, Ekel und Panik lösen sich ab, dabei ist der Grund offensichtlich ein überhöhter Alkoholkonsum, ohne die Grundausrüstung Campari Prosecco geht schon gar nichts. Fast alle Krankheiten kommen A. in den Sinn, an manchen Tagen fürchtet sie sich vor drei Krankheiten gleichzeitig. Außerdem ist ihr Mann orientierungslos, die Beziehung schläft so nebenbei dahin, außer dem ständigen Fressen hält das Paar nichts zusammen. Seltsamerweise kommt die Arbeit wenig zur Sprache, zwei Jahre noch, dann ist der Spuk vorbei, ein Kollege stirbt überraschend und es gibt für A. einen neuen Schreibtisch. Pendeln wird allmählich zu einem Lebenszustand, dem sich alles unterzuordnen hat. Eine Veränderung ist nicht möglich, Erlösung schafft wohl nur die Pension oder gar der Tod. Andererseits verschlechtert die Bahn ständig das Angebot, erhöht die Preise, dünnt den Fahrplan aus. Am Altern der Schaffner bemerkt man, wie unbarmherzig die Zeit vergeht. Wie Gespenster treten in der Mitte des Buches in acht Porträts von Philipp Podesser Pendler aus dem Schwarz der Nacht. Sie treten aus den eigenen Augenhöhlen, schreibt Andrea Wolfmayr im Nachspann. Diese Pendler im Foto sind gezeichnet von der Erbarmungslosigkeit der Dunkelheit. Andrea Wolfmayrs Aufzeichnungen sind ein kaltschnäuziger Kommentar zu einer Lebensform, die niemand außer den Betroffenen wahr nimmt. Erträgliche Sequenzen wechseln sich mit dem Wahnsinn des Dahin-Wartens ab. Pendeln ist wie eine Beziehungskiste, selbstverschuldet und letztlich ausweglos. Helmuth Schönauer |