Angstblüte : Roman

Walser, Martin, 2006
Libresso
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Medienart Buch
ISBN 978-3-498-07357-2
Verfasser Walser, Martin Wikipedia
Systematik DR - Deutsch Roman
Verlag Rowohlt
Ort Reinbek
Jahr 2006
Umfang 476 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Martin Walser
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Josefine Weninger;
Ein gut situierter Anlageberater muss sich mit dem Altwerden und der Brüchigkeit von Beziehungen auseinandersetzen. (DR)

Karl von Kahn, dieser distinguierte Münchner Großbürger, der das Geldvermehren zu einer Kunstform verfeinert hat und dessen Lebensmotto "Bergauf beschleunigen" lautet, muss sich in seinen Siebzigern plötzlich mit der langsam spürbar werdenden Hinfälligkeit des Alters auseinandersetzen. Der Verrat eines Freundes, der Tod des Bruders und eine bis hin zur Lächerlichkeit ausgekostete Amour fou zu einer zeitgeistig vulgären Ruhrpott-Femme fatale, die Kahns langjährige Ehe zerbrechen lässt, markieren die Tiefschläge, die den Protagonisten letztendlich in Demut erkennen lassen, dass auch seine exquisit konzipierte Existenz äußerst fragil und von endlicher Dauer ist.
Martin Walser hat in dem für ihn typischen ironisch-scharfsichtigen Stil mit Karl von Kahn einen modernen Gustav Aschenbach geschaffen, dessen Kunst, passend zum Heute, in der Profitmaximierung besteht. Wie in Manns "Tod in Venedig" geht auch Walsers Held mehr und mehr seiner Lebensmaximen verlustig. Die so sorgsam und kunstfertig kultivierten Wertmaßstäbe korrodieren mit Fortschreiten der Handlung und auch die (köstlich zu lesende) ironisch-analytische Sicht auf die Umwelt bietet keinen Schutz mehr. Was bleibt, ist die verzweifelte, teilweise peinlich-groteske Jagd nach Vitalität und Jugend. In der Botanik bezeichnet man dieses letzte Aufbäumen mit dem Titel gebenden Begriff der "Angstblüte".
Egal ob Finanzmagnat, Antiquitätenhändler, Starjournalist oder Talk-Lady, alle bekommen ihr Fett ab, aber hinter der vom Autor bis zur Karikatur übersteigerten Hochglanzfassade der Protagonisten sitzt auch immer eine tiefe Angst und Martin Walser gelingt es einmal mehr, aus scharfsichtig skizzierten Zeitgeisttypen Menschen zu machen. Trotz einiger Längen und "loser Enden" im Schlussteil eine überaus empfehlenswerte Lektüre.