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DR
Sau
Fuchserde : Roman
Sautner, Thomas, 2006| Libresso | |
| Verfügbar |
Ja (1)
|
| Exemplare gesamt | 1 |
| Exemplare verliehen | 0 |
| Reservierungen | 0Reservieren |
| Medienart | Buch |
| ISBN | 978-3-85452-498-4 |
| Verfasser | Sautner, Thomas
|
| Systematik | DR - Deutsch Roman |
| Verlag | Picus |
| Ort | Wien |
| Jahr | 2006 |
| Umfang | 213 S. |
| Altersbeschränkung | keine |
| Sprache | deutsch |
| Verfasserangabe | Thomas Sautner |
| Annotation | Quelle: Apropos. Straßenzeitung für Salzburg (http://www.apropos.or.at/); Autor: Jasmin Gaderer; Zauberhaft Die Jenischen - eine Volksgruppe, die kaum mehr bekannt ist. Hier wird die Geschichte einer jenischen Sippe erzählt, und zwar auf brillante Art und Weise. Man wird in eine andere Welt entführt, eine magische, denn die Jenischen haben mit Zaubersprüchen, Kräutern und Ähnlichem sehr viel am Hut. Das wurde ihnen während der Nazi-Zeit zum Verhängnis, weil es Leute gab, denen ihre Fähigkeiten unheimlich waren. Was man ihnen nicht verdenken kann, denn wenn eine Jenische mithilfe eines speziellen Fingerzeichens ihren Kopf unbeschadet im Maul eines Löwen verschwinden lässt, mag das ja noch unsere romantisch-abenteuerlichen Herzen erfreuen. Heilt ein junger Mann aber einige Seiten später seinen Oberschenkeldurchschuss mit einer Schicht "Fuchserde", wurde wohl etwas zu tief in den Hexenkessel gegriffen. Trotzdem: Wer mehr über eine vergessene Volksgruppe erfahren will und eine Portion Esoterik aushält, ist mit diesem Buch bestens beraten. ---- Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Anita Ruckerbauer; Eine Hommage an die Jenischen, die europäisch stämmigen Vertreter des fahrenden Volkes. (DR) Lois schildert seinem Urenkel die Geschichte seines Volkes. Er berichtet von der wilden, charismatischen Frida, die seine Frau werden sollte, und von seinem Seelenverwandten Luca, der mit seiner Sippe einen Wanderzirkus betrieb. Er erzählt von Kesselflickern und Besenbindern, von Scherenschleifern und Wahrsagerinnen, von alten Traditionen und unbändiger Lebenslust - und von den Nazis, die all dem ein jähes und schreckliches Ende setzen. Thomas Sautner hat seinen ersten Roman der weitestgehend in Vergessenheit geratenen Bevölkerungsgruppe der Jenischen gewidmet. Im Gegensatz zu den Sinti und Roma haben die Jenischen keltische Wurzeln; zu ihren bekanntesten Vertretern zählen die irischen Tinker. Das Verhältnis der Jenischen zu Umwelt und Spiritualität erinnert bei Sautner stark an indianischen Schamanismus; er lässt ihnen letztlich sogar magische Fähigkeiten angedeihen. Bei seinem Versuch, die Jenischen dem Vergessen zu entreißen, scheint der Autor einige Male mit einer reichlich idealisierten Darstellung etwas über das Ziel hinaus geschossen zu sein. Doch abgesehen davon, ist "Fuchserde" ein wichtiger und gut lesbarer Beitrag dazu, die Volksgruppe der Jenischen, deren Nachkommen auch in Österreich leben, in unser Bewusstsein zu rücken. Allen Beständen zu empfehlen. ---- Quelle: Literatur und Kritik; Autor: Ludwig Laher; Ein blasser Auserwählter in einer übersichtlichen Welt Thomas Sautners Romanversuch über die Jenischen Das Positive zuerst: Mit Fuchserde legt Thomas Sautner ein literarisches Stück Heimatkunde vor, das bekannte Gegenden vom Waldviertel bis Innsbruck mit weitgehend unbekannten Menschen bevölkert, den Jenischen, die jahrhundertelang unter uns leben, aber zu allen Zeiten bestenfalls ignoriert wurden. Und über Jahrhunderte ist auch der Roman angelegt, als Familiensaga, wenngleich sich der Autor darauf beschränkt, die Spanne zwischen 1800 und der Zwischenkriegszeit mit nur wenigen Strichen zu skizzieren. Einigermaßen überraschend ist es, daß auch die Zweite Republik, die Jenische, Sinti und Roma weiter ausgrenzte und sogar ihren horrenden Blutzoll während der NS-Verfolgung lange nicht zur Kenntnis nahm, kaum eine Rolle spielt, obwohl aus der Sicht der Gegenwart erzählt wird. Das Problem, bei der Leserschaft kaum Vorwissen über Geschichte und Kultur der Jenischen voraussetzen zu können, löst Sautner, indem er Sachbuchelemente einarbeitet und jedes Kapitel gleich strukturiert: Es setzt mit narrativen Passagen ein, auf die, kursiv abgesetzt, Informationsteile folgen, die allerdings nicht nur die Jenischen zum Gegenstand haben, sondern bis hin zu allgemein bekannten zeitgeschichtlichen Eckdaten nützliche wie überflüssige Erläuterungen bieten. Man erfährt etwa, daß das Waldviertel als Teil des Variskischen Gebirges einst die höchste Erhebung auf dem Planeten gewesen sein soll und was es mit dem Ständestaat so auf sich hatte. An dieses Daten- und Faktenmaterial schließt sich stets der Monolog eines alten, sein nahes Ende spürenden Jenischen, der seine gesamte Lebensweisheit an den schweigenden Urenkel weitergibt. Dem Buch merkt man von der ersten bis zur letzten Seite an, wie sehr der Autor bemüht ist, mit großem Respekt und ebenso großer Zuneigung davon zu berichten, was die Jenischen ausmacht, welches Naheverhältnis sie ursprünglich zur Natur und ihren Geheimnissen hatten, wie ihnen wegen ihrer der Mehrheit fremden kulturellen Traditionen - zuweilen bloßes Resultat sozialer Ausgrenzung - immer wieder der Strick gedreht wurde. Diese Parteilichkeit birgt freilich viele Gefahren, wenn sie sich im ästhetischen Programm eines Textes allzu aufdringlich Ausdruck schafft. Schwer erträglich ist es zum Beispiel, daß viele Dialoge und vor allem der dominierende Monolog des Alten in einem hohen Ton verfaßt sind, der in krassem Gegensatz zur relativ realistisch geschilderten Welt der Steinbrucharbeiter, Artisten und Hausierer steht. Ich will damit nicht unterstellen, daß sich diese Menschen nur simpel auszudrücken wüßten, aber ihnen permanent Sätze wie den folgenden zu unterschieben, läßt sich beim besten Willen nicht rechtfertigen: "Wenn du dir dessen nicht gewahr bist, wird der Tag kommen, da wirst du ein anderer sein und es nicht merken." In Fuchserde sind die Bösen meist vorbildlich böse und die Guten tadellos gut, und um dies zu bekräftigen, sieht der Erzähler notfalls auch übertrieben klischierte Dialoge vor: "Dort kann er Karten spielen bis zur Vergasung!" feixt der Ortsgruppenleiter, der NS-Bürgermeister, jauchzt vor lauter Vorfreude auf seinen dreckigen Witz, "die werden schon nicht durch den Rost fallen!" Und als ob Zweifel bestehen könnten, daß derlei Sprachspiele als dreckig zu werten sind, wird explizit darauf hingewiesen. Auch die Jenischen selbst werden zumeist holzschnittartig vorgeführt: Die Alten sind weise, und die Jungen begehren kaum je auf, lauschen vielmehr aufmerksam den klugen, häufig der Sprache der Bibel nachempfundenen Sentenzen der Altvorderen: "Hüte dich vor jenen Menschen, die ihre Überzeugung vor sich her tragen wie ein Zepter. Denn sie werden nicht zögern, auf andere damit einzuschlagen. Hüte dich vor ihnen, die ihre Überzeugung tragen wie eine Krone, denn sie beengt ihren Geist, und das macht sie unberechenbar und gefährlich." Konflikte scheint es vornehmlich im Verhältnis Jenische-Nichtjenische zu geben. Hätte Thomas Sautner ein Sachbuch vorgelegt oder eine literarisierte Biographie etwa jenes alten Herrn, der Vorbild für die zentrale Gestalt des Lois gewesen sein dürfte, fände ich diese wohl respektvoll gemeinte Beschränkung durchaus einleuchtend. Aus meiner eigenen Arbeit weiß ich, daß es mir angesichts einer schier endlosen Geschichte von Übergriffen der Mehrheitsbevölkerung als ein weiterer erschiene, mit kulturellen und sozialen Tabus belegte Konflikte innerhalb der Sintiminderheit Österreichs rücksichtslos an die Öffentlichkeit zu zerren. Derlei muß meines Erachtens Autorinnen und Autoren vorbehalten bleiben, die selbst Sinti sind und es für nötig erachten. Eine belletristische Annäherung wie diese jedoch, der es sichtlich darum zu tun ist, ihre Protagonisten ernstzunehmen, ihr Verwurzeltsein in überkommenen Kulturtraditionen als subjektive Möglichkeit darzustellen, der modernen Welt zu begegnen, gerät in eine Schieflage, we 1bb6 nn die durch binnenkulturelle Normen bedingten Widersprüche, Zwiespältigkeiten, Seelennöte, denen auch die bewußtesten Jenischen ausgesetzt sein dürften, nahezu vollkommen ausgeblendet bleiben. Dies dürfte auch der Grund sein, warum Thomas Sautner sich darauf konzentriert, das jenische Wir-Gefühl, die noble Solidarität untereinander in Zeiten massiver Repression zu vermitteln. Unter solchen Umständen ist der inhaltliche Ansatz des Buches einigermaßen nachvollziehbar, während, was etwa die Gegenwart anlangt, andere Schwerpunkte zu setzen wären, weswegen sie fast ausgeblendet bleibt. Es wirkt daher alles andere als überzeugend, wenn der Alte am Schluß feierlich erklärt, er habe dem Jüngling das Erbe jahrhundertealten Wissens deshalb so ausführlich vermittelt, "weil du mir mit deinem Handeln und Nichthandeln, deinem Reden und deinem Schweigen gezeigt hast, dass du der Auserwählte bist, dass du allein es bist, der das Wissen unserer Ahnen und Urahnen hüten wird." Vom Adressaten dieser Worte, dem unzählige Male so genannten "kleinen, schlauen Fuchs", erfahren wir fast gar nichts, nie redet er auf den 214 Seiten des Buches, und dabei wäre es doch lohnend, vermittelt zu bekommen, worauf sich dieses merkwürdig apodiktische Auserwähltsein gründet, das alle anderen von vornherein ausschließt. Nur ganz am Schluß wird fast beiläufig darauf verwiesen, daß spätestens seit dem letzten Krieg viele Angehörige der Minderheit ihr persönliches Heil in der Assimilation suchen. Ist der "kleine, schlaue Fuchs" gar nur deshalb auserwählt und allein imstande, die Tradition zu hüten, weil er quasi der Letzte einer aussterbenden Art ist? Es wäre lohnend, vermittelt zu bekommen, wie ein offensichtlich der Volksgruppe verpflichteter junger Jenischer heutzutage den Spagat zwischen Herkunft und Kulturtraditionen einerseits und den persönlichen wie gesellschaftlichen Herausforderungen im entsolidarisierten Neoliberalismus so vorbildlich schafft, wie es angedeutet wird. Aber vielleicht steht dieses Auserwähltsein auch nur in der Tradition der Simplifizierungen und Verabsolutierungen, die dieses Buch wie ein roter Faden durchziehen und einander zuweilen diametral gegenüberstehen: "Das allerletzte Mal in ihrem Leben hat Frida Angst, weil ihre Mutter sie nicht wie üblich in den Schlaf sang. Dies konnte die Mutter nicht mehr, denn sie lag im Sterben." heißt es etwa an einer Stelle früh im Text, und mir schienen diese Worte des Erzählers an der Wiege einer jenischen Frau, der Jahrzehnte später die Barbarei der Nazis bevorstand, gleich beim ersten Lesen unsympathisch markig und roh. Gegen Ende des Romans dementiert Thomas Sautner dann, was er zu Anfang geschrieben hat, indem er den Alten formulieren läßt: "Alle Jenischen hatten während der Nazi-Diktatur eine schreckliche Krankheit bekommen. Und diese Krankheit hieß Angst. () Die Nazis und ihre ideologischen Nachfahren haben es geschafft, dass wir heute noch Angst haben." Dies entspricht exakt meiner Erfahrung im Umgang mit den Sinti, die in ihrer Mehrheit bis zum heutigen Tag mit einiger Begründung fürchten, es könnten wieder andere Zeiten kommen. Thomas Sautner macht aber nichts aus diesem spannenden Ansatz, der uns, differenziert ausgeführt, die Jenischen von heute vermutlich besser verstehen ließe. Fuchserde ist eben über weite Strecken ein Buch der Sehnsucht nach einfacher Stimmigkeit. Der "kleine, schlaue Fuchs" soll nach dem Willen des Alten seinen Eltern keinen Vorwurf machen, daß sie seßhaft wurden und ihr Jenischsein ablegten. Damit hat sich's. Auf der vorletzten Seite wird schließlich knapp entschlüsselt, wie der ansonsten namen-, geschichts- und gesichtslose Knabe einst zum "kleinen, schlauen Fuchs" wurde: Das Kind weist dem zivilisationsgeschädigten, fast ebenso blaß angelegten Vater bei einem Waldspaziergang den Weg, nachdem dieser die Orientierung verloren hat, bis die beiden eine Lichtung erreichen, "die sogar dein sesshafter Vater wiedererkannt hat". Vielleicht hat ihn diese Mini-Heldentat sogar zum alleinigen Auserwählten vorbestimmt, vielleicht auch nicht. Die Schwächen des Textes überdecken leider seine Verdienste. So sind in die Handlung ein paar wunderbare kleine Geschichten aus dem Leben der Jenischen von früher verwoben, und die 1941 als Arbeitserziehungslager gegründete und allzu gern als relativ harmloses Nicht-KZ verniedlichte Terrorstätte Reichenau in Innsbruck wird in ihrer entsetzlichen Brutalität vorgeführt. Es hätte freilich auch in diesen Passagen nicht geschadet, den grob als bloße Typen nach dem Lehrbuch entworfenen SS-Leuten den einen oder anderen feiner gezeichneten gewöhnlichen Polizisten oder Gendarmen an die Seite zu stellen, die einen Gutteil der Wachmannschaft ausmachten. Wie ihre Kollegen in anderen Gegenden Österreichs, wo auf Gauebene eine Lagerparallelinfrastruktur zu Himmlers Konzentrationslagern errichtet wurde, berichten die Reichenauer Polizeikräfte in ihrer Postenchronik wider besseres Wissen nur von "Trunkenbolden und Arbeitsscheuen", die sie zu bewachen hatten. Fuchserde ist ohne Zweifel ein gut gemeinter Roman. Vieles von dem, was er nicht leistet, vom Ansatz her nicht leisten kann, steht im Zentrum des Werkes von Romed Mungenast, eines Anfang 2006 viel zu früh verstorbenen österreichischen Jenischen, der sich mit umfangreichen Forschungen zu seiner Volksgruppe unschätzbare Verdienste erworben hat. Seine theoretische Arbeit wird durch Gedichte und Geschichten in jenischer Sprache ergänzt, denen häufig jene Kraft innewohnt, die Thomas Sautners Text über weite Strecken nur behauptet. |